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Geschichte des Muschelgeldes. 



Von Volz. 



Das Geld entstand unzweifelhaft durch den Schmuck; 
wie auch wiederum für niedere Volksklassen, selbst unserer 
Länder, das Geld in Ketten, oder als Anhänger, als Schmuck 
dient. Daher rührt auch die Ringform, oder die Durchlöcherung 
des ältesten Geldes. Da die Muscheln, wie die Edelsteine, 
von der Natur mit besonderem Reize ausgestattet sind, so mussten 
sie in den frühesten Zeiten zum Schmucke dienen, und da wir 
sie noch heute in grossen Strecken als Geld finden, so konnte 
man wohl zu der Annahme gelangen, dass das Muschelgeld als 
das älteste Geld zu betrachten sei. Zudem fand diese Annahme 
durch berühmte Sinologen eine beachtenswerthe Stütze. Abel- 
Remusat traf in der grossen japanischen Encyklopädie des Ma-touan- 
lin die Bemerkung, dass unter den ältesten chinesischen Charakteren 
ein Zeichen für die Muscheln vorkomme, welches in einer 
neueren Zeit das Radical der Worte geworden sei, die Bezug 
auf Reichthum, Tausch und Handel haben '). Dabei führt er an, 
dass auch einer der Urcharaktere die Schildkröte bezeichne. Das 
Zeichen für die Muscheln ist das Pei; es bedeutet nach 
Klaproth 2 ) Seemuschelthier , Reichthum, Preis, Werth, Geld- 
aufwand; nach dem Wörterbuch Choue-wen verkaufte und kaufte 
man mit diesen Pei, oder Muscheln, und mit kostbaren Schild- 
krötenschalen. Hiernach hält sich nun Biot 3 } berechtiget 
zu sagen: Lorsqu'on reconnut l'utilit6 d'un moyen d'ächange, on 



1) Journal asiatique 1823. II. 136. 

2) Sur l'usage des cauries en Chine. Journ. as. 1834. XIII. 146. 

3) Sur le Systeme mon&aire des Chinois. Journ. as. 1837. III. 427. 

6* 



84 Geschichte 

commenca par se servir de coquilles, ainsi que cela a lieu encore 
chez les Indiens de la mer du Sud. Ce fait de l'usage primilif 
de coquilles comme moyen d'echange est parfaitement conslate 
par la conservation du caractere pei, coquille, comme signe 
des richesses, et radical de la plupart des caracteres qui 
se rattachent aux id^es de richesse, d'achat, de vente etc. — 
Gegen diesen Schluss sprechen nun aber triftige, innere und 
äussere, Gründe. Das Wort Pei heisst Seemuschelthier im All- 
gemeinen, und eben desshalb ist dasselbe ein ganz nahe liegender 
Ausdruck für die Schätze des Meeres, und, da diese unerschöpflich 
sind, für Reichthum im Allgemeinen, besonders bei einem Volke, 
welches- die herrlichsten Geschenke an den kostbarsten Conchylien 
von seinen Küsten erhält. Keineswegs ist hieraus zu schliessen, 
dass dieses Wort erst durch den Gebrauch von, selbst nicht einmal 
in China gefundenen, Muscheln als Geld, zum Repräsentanten des 
Reichthums geworden sei. 

Die chinesischen Geschichtsschreiber setzen die Münze in 
die mythischen Zeiten des Reiches der Mitte ; wie bei den Aegyptern 
ist sie mit dem Gewichte verbunden; denn Hien-Yuen, welcher 
sie einführte, ist auch folgerichtig der Schöpfer von Wage und 
Gewicht 'J. In diesen Sagen ist aber niemals von Pei die Rede, 
dagegen von einer Anzahl anderer Geldmittel, als Kin, Metall; 
Yu, seltene Steine; Tchi, Elfenbein; Pi, Häute; Tsuen, Münze; 
Pou, Zeuge. 

Wir bemerken sogleich, dass diese Geldarten ihrer Natur 
nach nur grobes Geld sein konnten, und dass überhaupt der 
Anfang des Geldes nur im Austausch mit sehr werthvollen Dingen, 
also unzweifelhaft in dem groben Gelde, gesucht werden kann. 
Es musste eine bedeutende Ausbildung des Verkehrs vor sich 
gehen, bevor man zu der Geldbehandlung der Gegenstände ge- 
ringeren Werthes gelangte, und China steht heutigen Tages, nach 
Durchwanderung durch fast alle denkbaren Geldoperationen, auf 
der rohesten Stufe, diese Angelegenheit durch Abschneiden von 
Silberstücken und Zuwägen grossen Theils zu besorgen, oder 
auf gleiche Weise Seidenzeuge zu zerschneiden. 



1) Deguignes in dem Discours pröliminaire du Chouking XCII. 



des Mnichelgeldes. g5 

Scheidegeld ist durchaus eine Folge des groben 
Geldes, wie diess auch sein Name richtig bezeichnet. 

Es ist natürlich, dass man sich, als man das grobe Geld der 
Aegypter entdeckt hatte, auch nach, einst dort üblich gewesenem, 
Scheidegeld umsah. P. Quintino ') glaubte dasselbe in den S c a r a- 
bäen und in den, mit Regentennamen versehenen, durchbohrten 
irdenen Platten, welche man in grosser Anzahl auffindet, entdeckt 
zu haben. Ihm pflichteten auch viele Archäologen mehr oder weniger 
entschieden bei, Otfried Müller, Stieglitz u.a., und man glaubte 
eine besondere Bestätigung dieser Meinung im Eryxias des 
Plato zu finden, woselbst es heisst, dass es bei den Aethiopiern 
Sitte gewesen sei, als Münzen geschnittene Steine zu gebrauchen, 
„auf welche ein Lakonier keinen Werlh setzt." Stieglitz weiss 
ohne Schwierigkeit hiervon zu dem Scarabäengeld der Aegypter 
zu gelangen. Denn unter den Aethiopiern sind nach ihm auch 
die Aegypter zu verstehen 2 ), und was könnten, fragt er, diese 
Steine, welche zwar Plato nicht kennt, anders sein, als die 
Scarabäen, da von den Aegyptern keine anderen geschnittenen 
Steine bekannt sind, als diese? Stieglitz behauptet ferner, dass 
die Aegypter, bis zur Zeit, als die Lagiden des Reiches sich 
bemächtigten, keine Münze von Metall gehabt hätten, das in ihr em 
Lande der Schooss der Erde nicht in sich fasstefT). 
Herodot 3 ) aber sagt uns, dass Ariandes, Statthalter der Aegypter, 
unter Cambyses und Darius, zum Tode verdammt wurde, weil 
er silberne Münzen, in Nachahmung der goldenen Darius seines 
Herrn, geschlagen hatte. Er hatte nicht nöthig das Silber aus- 
wärts zu suchen , da nach Diodor 4 ) die ägyptischen Gold- 
und Silbergruben 3200 Myriaden, oder 32 Millionen Minen, im 
Silberwerthe jährlich lieferten. Diodor gibt *) eine ausführliche 
Beschreibung der ägyptischen Goldgruben. Das* Ringmetall- 
gel d gehört den ältesten ägyptischen Zeiten an, kupferne Werk- 



1) Sul uso cni erano i monumenti egiziani detti comnranemente Scarabei. 

2) Kunstblatt 1833. N. 18. 

3) IV. 166. 

4) I. 49: 

5) ffl. 11. 



gß Geschichte 

zeuge und Geräthe waren, so weit ägyptische Denkmale reichen, 
bekannt; es fehlte daher dem ägyptischen Boden keineswegs 
das Münzmetall. 

Was nun aber den Ausspruch betrifft, dass die Aegypter 
keine geschnittenen Steine, als die muthmasslichen Geldscarabäen, 
gehabt hätten, so konnte man, ehe ein genaueres Studium der er- 
wähnten irdenen Täfelchen vorgenommen war, wohl zugeben, dass 
die, aus geschnittenen Steinen bestehenden, Glieder der Halsbänder 
und übrigen Schmucktheile unter die Classe der Scarabäen gerechnet 
werden könnten ; allein der Umstand, dass man solche von Edel- 
steinen, wie z. B. von Amethyst '), und überhaupt in fast allen 
Stoffen, sogar von Leder gefunden hat, so wie die, der Annahme zur 
Stütze dienen sollende Bemerkung, dass schon die einfache leichte 
Vermehrung der Scarabäen aus gebrannter Erde, wobei aus einer 
Form eine bedeutende Anzahl gleicher Stücke hervorgieng und 
daher grössere Verbreitung stattfinden konnte, die Vermuthung 
verstärke, sie hätten zu einem Gebrauche gedient, der eine 
grosse Anzahl nölhig machte, welche in keinem andern Bedürfniss 
des täglichen Lebens zu finden sein möchte, als in dem des 
Geldes, sprechen gegen die Zulässigkeit der Hypothese; indem 
man ja nicht wohl etwas Schlimmeres von einem Gelde sagen 
könnte, als die so eben gerühmte leichte, jede Nachahmung ge- 
stattende Anfertigung. 

Wilkinson zerslreule nun aber vollends das ganze luftige 
Gebilde. Er sagt 2 ) : es war immer ein Gegenstand des Zweifels, 
zu was die zahlreichen Scarabäen von allen Grössen und Qualitäten, 
welche man in Aegypten fand, angewendet worden sind. Einige 
nahmen an, sie seien Geld gewesen; allein diese Vermuthung 
ist nicht durch die Sachlage, und auch in der That nicht durch 
Wahrscheinlichkeit unterstützt, wegen der grossen Unähnlichkeit 
dieser Gegenstände in Ausdehnung, Gewicht und sonstigen Einzelne- 
heilen , welche erfordert werden , um den Werth einer Münze 
festzusetzen. Sie wurden hauptsächlich zu Bingen, Halsbändern 



1) Wilkinson, Manners and customs of the ancient Egyptians III. 374. 

Fig. 3. 

2) V. 256. 



des Muschelgeldes. 87 

und anderen kleinen Schmuckstücken, wie auch bei Begräbnissen 
gebraucht. Manche von grossen Dimensionen hatten häufig ein 
Gebet, oder eine den Todten betreffende Inschrift eingegraben, 
und ein geflügelter Scarabaeus war allgemein den Leichnamen 
beigegeben, welche auf die kostbarste Art einbalsamirt wurden. 
Nimmt man nun hinzu, dass die Aegypter beider Geschlechter, 
besonders aber die Weiber, mit Ringen, Ketten an Hals, Arm 
und Füssen beladen waren; dass diese Ketten zugleich Amulette 
waren; dass mit dem Scarabaeus alle denkbaren Veränderungen 
vorgenommen wurden, und er gleichsam der Träger der ganzen 
Schöpfung wurde; dass man aber besonders die Leichname mit 
solchen Dingen zu überdecken pflegte, — Netzwerke an Mumien 
aus Scarabäen etc., von Porcellan gebildet, sind im britischen Museum 
case 88, 89 — wie z. B. auch mit Glasperlen, so bedarf es 
durchaus keiner Herbeiziehung neuer Erklärungsgründe, und man 
hat jeden Falles in diesen Scarabäen ein Scheidegeld nicht ge- 
funden. Denn wäre es üblich gewesen^ den Todten in Aegypten 
Geld mitzugeben, so hätte man sicher in den Gräbern der Grossen 
und Reichen nicht blos Scheidemünzen, sondern auch grobes, 
oder Ringgeld getroffen, was aber bis jetzt so durchaus nicht 
gelungen ist, dass man dieses Geld lediglich nur aus den Ab- 
bildungen kennt. Diodor ') spricht von Falschmünzern — ro v6/.tta/na 
TtaQaxömeiv — hierdurch ist jeden Falles ein Münzgeld verstanden. 
Da man nun aus den Abbildungen des altägyptischen Ringgeldes 
und seiner Anfertigung keinerlei Inschrift, oder Gepräge entnehmen 
kann, so wollte man diese Stelle auf das Scarabäengeld beziehen. 
Allein Diodor gibt die ägyptischen Gesetze ohne Rücksicht auf 
ihr Alter, und beschreibt häufig sogar die ägyptischen Zustände, 
wie sie zu seiner Zeit waren; so dass hier wohl von der Fäl- 
schung später eingeführter Metallmünzen die Rede sein kann, 
besonders aber, da solche schon etwa ein halbes Jahrtausend in 
Aegypten bekannt waren, als Diodor schrieb. Uebrigens ist man 
heut zu Tage über den Zweck dieser Scarabäen gründlich be- 
lehrt. Sie sind in Masse in den ägyptischen Museen Europas 
zu finden, und man hat erkannt, dass eine jede ägyptische Gottheit 

1) L 78. 



88 Geschichte 

ein besonderes, ihr geweihtes, Thier hatte, welches man als ihr 
Emblem, oder als ihr, auf der Erde lebendes, Symbol ansah. 
Unter diesen Thieren waren es hauptsächlich der Scarabaeus, 
sodann der Sperber, der Geier u. a., welche mehreren Gottheiten 
zugleich angehörten. So war der colossale Scarabaeus im bri- 
tischen Museum — 1,35 M. lang, 0,9 breit und 0,6 hoch — 
No. 74, welcher von dunkelm Granit ist, früher der Elgin'schen 
Sammlung angehörte, und von Constantinopel kam, der Gottheit 
Cheper, dem Erschaffer, später Emblem der Welt, geheiliget. 
Die Entzifferung der Inschriften hat nun gezeigt, dass ein grosser 
Theil derselben ausschliesslich als Grabamulette gedient habe, 
und von dem grössten Theil der andern, lässt sich Gleiches ver- 
muthen ; sie sind griechischen, römischen, ja christlichen Ursprungs 
aufgefunden worden. Das Museum in Leiden '} hat solche Amulette, 
darstellend: Affen, vorzüglich den Cynocephalus oder Pavian, 
das Emblem des Gottes Thöth in Kalkstein, in gebrannter Erde 
und in Bronze; die Spilzmaus dem Neith-Thermoulis gewidmet; 
eine säugende Wölfin, Hunde, das Ichneumon, dem Chonsou 
geheiliget; Katzen, Emblem der Göttin Pascht oder Bubastis, in 
Holz, gebrannter Erde und Bronze; Löwen in Bronze, Kalkstein, 
gebrannter Erde und Bein ;. Sphynx in Bronze, Marmor und ge- 
brannter Erde; Hase, eines der Emblem des Osiris; der Stier 
Apis oder Hapi, in bläulichem Talk, in Bronze, in emaillirter 
Erde, in rothgebrannter Erde, in farbigem Holz; Ochse in Ser- 
pentin; Kuh der Hathor geheiliget, in Kalkstein, emaillirter Erde 
und Bronze; Pferd in gebrannter Erde und Bronze; Widder, 
lebendes Emblem der Götter Ammon-Ra und Chnouphis in Kalk- 
stein, emaillirter Erde, Gold; Antilope, Emblem des Typhon; 
Kameel, Mutterschwein, Emblem der typhonianischen Gottheiten; 
Igel, der Sonne geheiliget; Geier, Emblem der Göttinnen Mütter; 
Sperber, Emblem der Gottidee im Allgemeinen, in Bronze, email- 
lirter Erde, Silber, farbigem Holz, Blei, Lapis lazuli, Gold; Ibis, 
dem Thöth geheiliget; u. s. f. Eine grosse Anzahl von Scara- 
bäen, der verschiedensten Bildung, in emaillirter Erde, Talk, 
Lapis lazuli, Blutstein, in der Masse gefärbtem Glas, grünem 



1) Monumens egyptiens du mus<5e d'antiquites des Pays-Bas ä Leide. 



de« Muschelgeldes. 89 

Jaspis, Chalcedon, Serpentin, Carneol, Silber, Quarz, Amethyst, 
Agat, sind dort zu sehen. 

Ueber die mit Inschriften, Königsnamen, Bildern versehenen 
Scarabäen hat man dadurch Aufschluss erhalten, dass man eine 
Anzahl mit verschiedenen Inschriften, Phrasen und Theilen von 
Sätzen, versehener Scarabäen auf einer Schnur gemeinschaftlich 
mit solchen aufgezogen gefunden hat, welche Pharaonische Namen 
von Dynastieen enthalten, die den Hirten vorgehen; sie scheinen 
eine sinnige, historische, Votivkette gebildet zu haben , wie man 
aus den Worten „alles Gute", welche sich auf Bruchstücken finden, 
schliessen kann. Nach Allem diesem wird wohl Niemand mehr 
in den Scarabäen Geld erblicken können. 

Rawlinson glaubte in den von Loftus im unteren Euphrat- 
gebiet ausgegrabenen Täfelchen von Terra-cotta und 
Töpfe rthon, welche ganz mit Keilschrift bedeckt sind, E in p f a n g- 
scheine des babylonischen Schatzes, für das in denselben nieder- 
gelegte Gewicht von Gold und Silber zu erkennen, und meint, 
dass sie vor Erfindung des gemünzten Goldes und 
Silbers im Umlauf und so der erste Versuch von conven- 
tionellenWerthzeichen gewesen wären. Allein, wenn man 
nun auch von der Beanstandung der richtigen Auffassung dieser 
Täfelchen absieht, so berechtiget Nichts zu der Annahme, dass 
sie au porteur gestellt gewesen seien; ja es ist dieses nach dem 
ganzen Entwicklungsgange des Verkehrswesens überhaupt gänzlich 
unwahrscheinlich; und endlich, und hauptsächlich, lässt das Auf- 
treten von Quittungen aus gebrannter Erde, bei den alten Aegyptern, 
welche im gemeinen Leben üblich waren, ohne irgend als Geld- 
surrogat gedient zu haben, und bei den unverkennbaren zahl- 
reichen Beziehungen, welche assyrisches Leben mit ägypti- 
schem hatte , auch auf gleichen Charakter solcher Täfelchen 
schliessen. 

Ueberhaupt hat man sich aber bei dieser Frage zu sehr von 
der Idee der absoluten Nothwendigkeit eines Scheidegeldes leiten 
lassen, ohne zu bedenken, dass der erste Act des Verkehrs 
einfacher zu einer Theilung der Waare führen musste, wie solche 
auch heute noch bei dem Detailverkehr unaufhörlich vorkommt 
und letztlich immer vorkommen muss, wenn man die Grenze der 



90 Geschichte 

kleinsten Scheidemünze erreichl hat. Zudem hatten ja die Aegypter 
Geldringe von verschiedenen Gewichtsabstufungen. 

Um nun wiederum auf das Alter des Mus che Igel des zurück- 
zukommen, so finden wir also in seiner wesentlichen Eigen- 
thümlichkeit , nur zu Scheidegeld tauglich zu sein, die innere 
Schwierigkeit, dasselbe vor das Metallgeld zu setzen. Suchen 
wir zu einer Geschichte dieses merkwürdigen Tauschmittels zu 
gelangen, so haben wir vor Allem die Muschel selbst genau zu 
bezeichnen, welche hierzu diente; hier nun erheben sich aber 
sogleich Anstände. Man pflegt diese Muscheln unter dem Namen 
Kauris zu umfassen; immer gehören sie zu dem ausgedehnten 
glänzenden Geschlechte der Porcellanen. 

Die Hauptart istcypraea moneta Linn. ') ; Nigritarum moneta 2 ) ; 
die aufrichtige Cauris 3 ) ; la colique , weil man behauptete , dass 
sie die Kolik heile; moneta Concho vel Guinea 4 ); thorax ou 
cauris des Maldives 5 ) ; Schlangenköpfchen, wegen ihrer Aehnlichkeit 
mit denselben ; Pharmaceutarum, Siamensium nummi, thesauro digni 
habiti regibus 6 ); frequentissima in littore insulae Loandae cui 
Congianus rex dominatur, ibique loco monetarum habetur 7 ); das 
Schildkrötchen, conchae testudinariae, Brustharnisch, thoracia, die 
kleine Leiste 8 ). Malaiisch: Bia Tsjonka, Condaga 9 ). Ritter 10 ) 
führt nach Loubere ") an, dass- die Siamesen die Kauris, Bia 
heissen. Dieser Name ist aber eben so wenig genau, wie die 
Benennung le pucelage, welche Blumenbach I2 ) anführt, denn beide 

1) Hab. ad Africam, in mari Mediterraneo , Alexandriae, in primis in 
Maldivis. 

2) Lister, historiae conchyliorum 1. IV. 

3) Valentini, museum museorum. 

4) d'Argenville, histoire naturelle ^claircie dans deux de ses parties prin- 
cipales, la lithologie et la conchyologie. 

5) Davila, catalogue systematique et raisonne des curiosites de la nature 
et dej'iirt, qui composent son cabinet. 

6) Klein, tentamen methodi astracologicae. 

7) Bonani, museum Kircherianum. 

8) Lesser, testaceotheologie. 

9) Martini, neuestes systematisches Conchylien-Cabinet I. 405. 

10) Die Erdkunde III. Asien, TM. 4. Buch 2. p. 1155. 

11) Du royaumc de Siam. 

12) Handbuch der Naturgeschichte Abschn. LX. 49. 4. 



de« Muschelgeldes. 91 

geben nur die generische Benennung aller Porcellanen. Der 
Zusatz Tsjonka bezeichnet erst die Kauris, und rührt von deren 
Gebrauch zu dem , Tsjonka genannten , Spiele her. Noch ver- 
wirrender war die Benennung Condaga, welche alle kleinen 
Porcellanen bezeichnet, die, auch häufig unter die Kauris gemengt, 
vorkommen. Afrikanisch: Simbi puri (Martini). Unter diesem 
Namen gab das Schlangenköpfchen zu Missverständnissen 
Veranlassung. Richter bemerkt zu dem Artikel Kauris ') , dass 
Nelkenbrecher, welcher die Identität der Schlangenköpfchen mit 
cypraea meneta annimmt, unrecht habe. Richter verwechselt hier 
das ^ Schlangenköpfchen, Otterköpfchen, wohl mit dem kleinen 
Schlangenkopf, cypraea caput serpentis , immerhin aber 
hater wissenschaftlich recht, die, wiewohl sehr übliche, Be- 
nennung der Kauris mit Schlangenköpfchen zu bestreiten, denn 
schon Martini sagt 2 ): „Bei Personen, die von Conchylien keine 
Kenntniss haben, heissen fast alle Porcellanen ohne Unterschied 
Schlangenköpfe. Die meisten kleinen Gattungen, besonders die 
bekannten Brustharnische und mohrischen Münzen, 
haben in Ansehung ihrer Form eine wirkliche Aehnlichkeit mit 
denselben. Unter den Kennern hingegen, welche durch unter- 
scheidende Merkmale allen Irrungen vorzubauen suchen, hat man 
nur dreierlei Arten von Schlangenköpfen, die grosse, die kleine 
und die blauen 3 ) etc." Hiernach ist also die Benennung Schlangen- 
köpfchen , Otternköpfchen , für die Kauris falsch , und es- ist zu 
verwundern, dass sie Voigt in seinem Lehrbuch der Zoologie 
(Bd. III.) beibehalten hat; man sollte sie in Zukunft ausschliesslich 
Münzporcellancn heissen. Auch Klein fügt dem, bei den 
Kauris vorkommenden, Namen Schlangenköpfchen die Bemerkung 
hinzu: „wegen ihrer Aehnlichkeit mit denselben." 

Was nun aber besonders geeignet war, die Verwirrung 
aufrecht zu erhalten, das war der Umstand, dass unter den 
eigentlichen Kauris stets mancherlei kleine Porcellanen eingemengt 
waren, wie wir diess schon bei dem Namen Condaga fanden. 
Endlich wurde in China, worauf später zurückzukommen ist, eine 

1) Mac-Cullochs Handbuch für Kaufleute: Calcutta, 293. 

2) I. 387. 

3) S. unten. 



92 Geschichte 

Reihe verschiedener Porcellanen, ausser den Kauris zeitweise als 
Geld gebraucht. 

Das W a d a a t der Araber besteht nach Rumph l ~) in kleinen 
Kauris , deren man sich bedient , um die Hälse der Hunde zu 
schmücken. 

Die Fundorte der Kauris sind, wie aus dem Angeführten 
zu entnehmen ist, vor Allem die Maldivischen Inseln, auch 
Borneo, die Manillas, die Liquejos besitzen sie, nach Varennius 2 ); 
sodann sind sie sehr reichlich in Afrika, an den Gestaden der, 
der Küste von Angola gegenüber liegenden, Insel Loanda, woher 
sie den Namen der mohrischen Münze, der moneta Nigritarum, 
Concho, Guinea erhielten; an der Küste von Mozambik, nach Ebn- 
el-Vardi, oder vielmehr Masudi 3 ); endlich im mittelländischen 
Meer, an der ägyptischen Küste. Hieraus ist ersichtlich, dass 
kein Theil China's die Kauris liefert, dass sie dagegen in den 
zu Japan gehörigen Liquejos Inseln gefunden werden. Sie heissen 
in Japan Takarugai, und haben dasselbe Bild - Schrift - Zeichen, 
welches in China Pei bedeutet. Kämpfer gibt die Abbildung von 
3 Arten auf der 14. Tafel seiner Geschichte von Japan, und sagt : 
„die Takarugai, in Indien cowers genannt, kommen von den Maldiven 
und andern Inseln, und man bringt sie nach Bengalen, Pegu und 
Siam, wo sie als laufende Münze dienen. Diejenigen, welche 
man in oen Umgebungen von Japan findet, sind von verschiedenen 
Orten. Die besten kommen von den Riuku Inseln, und bilden 
den Hauptbestandteil ihrer weissen Schminke *)." Diese Riuku 
Inseln sind aber eben die Liquejos oder Liuku. Die Zeichnungen, 
welche Kämpfer gibt, sind zwar sehr unvollkommen, sie lassen 
jedoch vermuthen, dass sie das sogenannte Kaninchen, die 
Schlangenhaut, Porcellana cuniculus, pellis angoina, eine Art 
arabischer oder chinesischer Buchstabenporcellanen, cypraea arabica 
Linn. und die Kauri, cypraea moneta, vorstellen sollen. Hiernach 
würde die Takarugai wahrscheinlich die Porcellanen im Allgemeinen 
bezeichnen, und da Kämpfer überhaupt die Takarugai als gleich- 



1) Amboinische Raritätenkammer p. 96. 

2) Descriptio regni Japoniae et Siam. 

3) Salt, neue Reise nach Abyssinien c. II. 

4) Französische Ausgabe 123. 



des Muschelgeldes. 93 

bedeutend mit cowers setzt und von ihrem Gebrauche als Geld 
spricht, so geht daraus hervor, dass nicht allein die Kauris, 
sondern auch andere Porcellanen als Geld dienten. Diess war 
in China entschieden der Fall, woselbst auch noch andere Muscheln 
in gleichem Gebrauche waren. Das Wörterbuch Choue-wen ') 
sagt: „ehemals verkaufte und kaufte man mit diesen Pei oder 
Muscheln, und mit kostbaren Schildkröten." Ferner finden 
wir im Tchou-Chou-Ki-nien '), dass der Gründer der Dynastie 
der Ghang, Li, genannt Tching-Thang, — Ausgiessung der 
Gerechtigkeit — 1555 v. Chr., Münzen von Gold und Silber 
giessen Hess, um sie bei der grossen Trockenheit und Hungers- 
noth unter die Armen zu vertheilen. Das Choue-wen erwähnt 
dieselbe Begebenheit, es sagt: unter der Dynastie der Chang 
verfertigte man Münzen, welche man Thsiuan nannte. Dasselbe 
Bildschriftzeichen heisst wirklich Quelle, tsuen, und bedeutete 
früher Münze im Allgemeinen 3 ). Dieses Zeichen bedeutet aber nach 
dem alten Wörterbuch Eul ya *) ebenfalls eine Muschelart. 
Es heisst dort : „die Thsiuan habe weisse und gelbe Zeichnungen" 
und weiter, Commentar: „auf einem weissen Grund habe sie 
gelbe Streifen und Flecken. Jetzt gibt man diesen Namen einer 
Muschel von röthlicher Farbe." Was diess für eine Muschel sei, 
ist nicht wohl zu entscheiden, so viel scheint aber anzunehmen 
zu sein, dass auch sie als Geld diente. Unter den Hans, zwischen 
den Jahren 6 — 36 n. Chr., kommt eine vollständige Cursregulirung 
des Muschelgeldes vor. Die Abhandlung über die Lebensmittel 
und Waaren, welche einen Theil der Geschichte der Han bildet, 
sagt 5 ) : „zur Zeit Wangmangs (6—36 n. Chr.) galt das Phung 
oder das Paar grosse Pei, von 4,8 und noch mehr chines. Zollen, 
Länge, 216 thsian oder kleine Kupferstücke; das Paar starker 
Pei, von 3,6 Zoll und mehr, 50 thsian ; das Paar kleinere Pei', von 
2,4 Zoll und mehr, 30 thsian das Paar; von 1,2 Zoll und mehr, 



1) Klaproth, sur l'usage des cauries en Chine. Journ. as. 1834. XIII. 
147. 

2) Journ. asiat. 1841. XII. 563. 

3) Biot, Journ. as. 1837. in. 430. 

4) Klaproth, oben 148. 

5) Klaproth, 154. 



94 Geschichte 

10 thsian: diejenigen, welche weniger als 1,2 Zoll hatten, oder 
welche man nicht paarweise zusammenbringen konnte, galten 
nur 3 thsian. Man hatte also die Ouphin, oder 5. Classen Pei, 
deren man sich im Handel bediente; diejenigen, welche weniger 
als 0,6 Zoll hatten, kamen nicht darin vor." Dasselbe Werk 
fügt bei, dass die Schale der Schildkröte, Yuan Kouei genannt, 
und 1 Fuss 2 Zoll lang, 2160 Kupferstücke oder 10 Paar grosse 
Pei galt. 

Was nun die hier angegebenen Maasse anbetrifft, so ist zu 
bemerken , dass die Han für ihr metrisches System den alten 
musicalischen Fuss annehmen wollten, welcher = 245 oder 
250 Millimetre ist, dass sie ihn aber nach Amyot zu kurz griffen. 
Eine, auf Abwägung und Messung gegründete, Miltheilung Biots '), 
scheint diese Behauptung zu bestätigen, sie würde den tsun, oder 
Zoll, auf 23,6 Millimetre setzen, statt auf 25. Allein Sicheres 
lässt sich hieraus nicht schliessen. Soviel ist aber anzunehmen, 
dass hier weder der Fuss der Chang, welcher nach Amyot mit 
dem gemeinen Fuss der Chinesen, dem Yng-fhong-tchy — 306 
Millim. ist, noch der Fuss der Tcheou = 195 Millim., sondern eben 
der musicalische Fuss der Han gemeint ist. 

Was nun die Muschelgattungen selbst anbetrifft, so dürften 
sie wohl alle Porcellanen gewesen sein, und zwar werden sich 
in der grössten Classe die Schildkrötenporcellane , cypraea tes- 
tudinaria Linn. ; in der zweiten und dritten, die gefleckte Tiger- 
porcellane cypr. tigris Linn., die bleifarbige grosse Porcellane 
mit Banden, argus spurius fasciatus et spoliatus, Martini, die 
fleischfarbige -Porcellane mit Banden, Martini, cyp. carneola Linn., 
der grosse Schlangenkopf, cyp. Mauritiana Linn., der Maulwurf, 
cyp. talpa Linn., die arabische oder chinesische Buchstaben- 
porcellane, cyp. arabica; in der vierten der Luchs, cyp. Lynx Linn. 
und die Isabelle, cyp. Isabella L., in der fünften endlich ausser den 
Kauris, das Casuarsei, ovum Casuarii, Klein, der Drachenkopf, 
cyp. stolida Linn., u. m. gefunden haben. 

Wenn wir die Orte erwägen, an welchen alle diese Muscheln 
fallen, so ist es keinem Zweifel unterworfen, dass sie sämmtlich 



1) Journ. aaiat. 1837. III. 445, Note. 



des Muschelgeldes. 95 

von auswärts nach China gekommen sind; erwägt man aber, wie 
sie in dieses so schwer zugängliche Reich kamen, so bieten sich 
hier mehrere Wege. Marco Polo ') erzählt, dass die Einwohner 
des Landes Karaian, (in der chinesischen Provinz, Yun-nan) sich 
statt der Münze, weisser Porcellanen bedienten, die man im Meere 
fände; 80 dieser Muscheln galten ein Saggio ('/6 Unze) Silber 
oder 2 venetianische Grosso. Im folgenden Capitel sagt er, dass 
diese Porcellanen nicht im Lande selbst gefunden, sondern dorthin 
aus Indien gebracht würden. Klaproth 2 ) bemerkt, dass Yun-nan 
in der That die einzige chinesische Provinz sei, in welcher man 
sich noch heut zu Tage der Kauris bediene, und dass man sie 
Hai' fi, Seeschmalz, graisse de mer, oder auch Hai pa nenne. 
Das Yun-nan zu Marco Polos Zeit bildete einst einen Theil des 
Landes der Barbaren von Yue. Erst Tchi-hoang-ti vereinigte 
200 v. Chr. dieses Land nach blutigem Kampfe mit dem chine- 
sischen Staate, und es fanden vorher nur sehr wenige Beziehungen 
des Reiches der Mitte mit diesen Völkern statt. Wir wissen, 
dass noch in unserer Zeit die Kauris in Ansehen in Bengalen 
stehen, und dass dort eine Hauptniederlage dieses Zahlmittels ist. 
Gleichfalls sind sie Geld in Siam. Aber sie cursiren auch im 
Herzen von Vorder-Indien auf dem Malwa-Plateau. Nach Orissa 
kommen sie aus Bengalen 3 ). Die Maldiven und die Lackdiven 
sind ihr Hauptsilz, von da verbreiten sie sich an der Westküste 
Indiens, und gehen über Sind nach Afghanistan 4 ). 

Wir hörten, dass Marco Polo die Kauris im Karaian fand, 
er traf sie ferner weiter westlich im Lande der Ou man , oder 
schwarzen Barbaren, Karadjang, einem Theil des früheren Barbaren- 
staates Nan-tchao, ebenso in dem Lanr ,£ ) der Goldzähne, der 
Kintschi (Cardandam), einem weiteren Bestandtheile des Yun-nan. 
Es ist nun zu bemerken, dass durch alle die genannten Länder 
die grosse Queerstrasse aus China nach Awa führt, welche alle 
Gesandschaften , Krieg und Handel immer eingeschlagen haben, 



1) 1. ü. c. 39. 

2) 155. 

3) Ritter, Asien VI. 541. 

4) Elphinstone, Geschichte der englischen Gesandtschaft an den Hof von 
Kabul 1. 463. 464. 



96 Geschichte 

und immer noch nehmen, die einzige Strasse der Civilisation 
und Cullur zwischen den zwei grossen Reichen, dem Birmanischen, 
und dem Chinesischen. Aber schon ein viel älterer Reisender, 
Chy Fa Hian, ein vollkommen glaubwürdiger Mann sagt: dass 
in Central-Indien, mit Einschluss von Oude, Bahar etc. Muscheln 
als Münzen dienen. Fa Hian, ein Mönchsname, der „Offenbarung 
des Gesetzes" bedeutet. — sein Familienname war Koung und 
seine Vorfahren stammten aus Ping yang in Chan-si, — war ein 
buddhistischer Pilger, welcher mit einigen Glaubensgenossen im 
Jahre 399 n. Chr. China verliess, die ganze Tartarei durch- 
wanderte, in die Berge von Tübet, die höchste Kette der Erde 
drang ; an Seilen, Hängebrücken, auf in Felsen gehauenen Stufen 
in die unzugänglichsten Thäler und über Abgründe von 8000' 
Tiefe gelangte, zweimal den Indus überschritt und den Gestaden 
des Ganges bis zum Meere folgte; dann, allein übrig geblieben, 
von der kleinen Gesellschaft, welche mit ihm ausgezogen war, 
nach Ceylon schiffte, von wo er, nachdem er drei Monate lang 
die indischen Meere durchkreuzt, Java berührt und gegeir 1200 
Stunden zu Land, und mehr als 2000 zur See zurückgelegt hatte, 
im Jahre 414 nach Tchhang'an zurückgekehrt war '). Somit 
ist die Nachweisung des Muschelgeldes auch für Bengalen ge- 
geben. Es ist nun merkwürdig, dass, während Marco Polo stets 
sorgfältig anführt, wo er Muschelgeld gefunden hat, bei ihm in 
dem Königreich Bengalen von demselben nicht die Rede ist ; ein 
Umstand, welcher, da sogleich vor Bengala und sodann wieder 
in Arum und Tholoman und bei den Cintiqui die Porcellanen als 
Geld vorkommen, beweisen dürfte, dass, zur Zeit des Besuches 
des edlen Venetianers, Bengalen ohne Muschelgeld war. Damals 
war das Land unter chinesischer Herrschaft. 

Wenden wir nun die Blicke nach den Maldiven selbst, so 
finden wir sie nothwendig allen Schiffen bekannt, welche vom 



1) Notes on the religious, moral and political State of India before the 
Mahomedan invasion, chiefly founded on the travels of the Chinese Buddhist 
Priest Fa Hian in India. A. D. 399. and on the commentaries of Msrs. Remusat, 
Klaproth, Burnouf and Landresse. By Lieut. - Colonel W. H. Sykes. The 
Journal of the royal Asiatical society of Great Britain and Ireland VI. Art. 
XIV. p. 286. Sykes fügt hinter Muscheln in Parenthese cypraea moneta bei,. 



des Muschelgeldes. 97 

rothen Meer tiach Ceylon kamen. Claud. Ptolemäus, dieser Fürst 
der Geographen, gibt im 2. Jahrhundert solche Nachricht von 
diesen Inseln, dass man daraus ihren Verkehr mit Ceylon, dem 
Taprobane der Griechen, dem alten Lanka, entnimmt; aus Arrians 
Periplus erfährt man aber, dass zu derselben Zeit der ganze 
Handel des östlicheren Indiens in den Händen der Bewohner des 
Ufers des Cavery Flusses, und seiner ausgebreiteten Mündungen 
war, und dass erst durch sie die Westküste Indiens, auf ihren 
eigenen Fahrzeugen aller Art, nicht nur die Producte und Fabricate 
ihres Landes , sondern auch diejenigen von Ceylon , von den 
Mündungen des Ganges aber die Waaren von China und Hinter- 
indien erhielt. 

Ceylon, „für den steuernden Weltschiffer seit den frühesten 
Jahrtausenden ein Stern erster Grösse, auf dem gewölbten blauen 
Spiegel des indischen Oceans", (Ritter), war aber, zwei Jahr- 
hunderte nach Fa Hians Besuch, selbst das Emporium des Handels 
zwischen China und dem persischen und arabischen Busen, die 
Seide von China, die kostbaren Gewürze der östlichen Inseln, 
durch Indien und Westasien sendend. Dass es in ganz unmittel- 
barem Verkehr mit den entferntesten Gestaden war, zeigt Fa 
Hians Reise selbst, welcher sich an den Mündungen des Ganges 
einschiffte und, ohne anzulegen, nach Ceylon gelangte, und 
hierauf den merkwürdigen Rückweg über Java nach China auf 
einem gewöhnlichen Handelsschiff nahm. Das Schiff war von 
Indiern bemannt, was Heerens Aeusserung ') , als ob indische 
Matrosen nicht verwendet worden waren, widerlegt. Ueberhäupt 
hat dieser scharfsinnige Schriftsteller den Indiern zu Gunsten der 
Araber, in Beziehung auf den Seeverkehr, unrecht gethan. Die 
Umgebungen der Gangesmündungen, wie überhaupt der nördliche 
Theil des Golfes von Bengalen, waren den Arabern fast unbekannt. 
Kein arabischer Schriftsteller spricht, wie Reinaud 2 ) bemerkt, 
von der Stadt Tamralipti oder Tamluk, welche in der Nähe der 
Gangesmündung, dem Hugli, nicht weit von dem heutigen Calcutta, lag, 

1) Ideen aber die Politik, den Verkehr und den Handel der vornehmsten 
Völker der alten Welt I. 3. p. 345. 

2) Relations des voyages faits par les, Arabes et les Persans dans l'Inde 
et ä la Chine. Discours präliminaire XLIX. 

ZeiUchr. für StaaUw. 1854. lt Heft. 7 



9g Geschichte 

und noch im 7. Jahrhundert einen blühenden Handel hatte '). Der 
Seeverkehr wurde hier ganz auf indischen Schiffen getrieben. 
Dass Ceylon noch im 6. Jahrhundert der Mittelpunct des indischen 
Handels war, sagt uns Gosmas, mit Unrecht Indicopleustes ge- 
nannt, nach Nachrichten, welche er von seinem Verwandten 
Sopater, den er, so eben aus Taprobane zurückgekehrt, in Adulis, 
in dem berühmtesten Hafen des axumitisch-äthiopischen König- 
reiches, nahe dem heutigen Arkeko, traf, und von dessen Schiffs- 
gefährten, erhielt. Besonders merkwürdig ist es aber, dass, nach 
ihm, dorthin, aus den hinteren Gewässern, wie von Sina, Seide 
etc. gelangte 2 ). Nimmt man diese Aussage mit dem Vorfall zu- 
sammen, dass Fa Hian vom plötzlichen Heimweh bis zu Thränen 
gerührt wurde, als er, nach mehrjähriger Abwesenheit von China, 
eines Tages in dem grossen Buddha Tempel auf Ceylon einen 
Kaufmann dem Götzenbilde einen weissen seidenen Fächer, chine- 
sischen Kunstfleisses , opfern sah; dass er also während der 
ganzen langen Reise nur selten, oder nie mit Kaufleuten seiner Hei- 
math zusammengetroffen war, selten oder nie Waaren seines Landes 
gesehen hatte, und dass diess namentlich nicht in Bengalen, woher 
er gerade kam, der Fall gewesen sein konnte, so tritt der 
Seöweg als Hauptverbindungsstrasse von Indien und China für 
jene Zeit hervor. 

China war lange mit dem Sitze seiner Macht vom Meere 
entfernt, und ausschliesslich Binnenslaal; doch finden wir schon 
1993 v. Chr. die Residenz des Kaisers Chun in Ming-tiao in der 
Nähe der Mündung des Hoai 3 ). 1981 v. Chr. unterwarf Yu, 
der Gründer der Dynastie der Hia's, den Stamm Fang-foung im 
jetzigen District Wou-Khang, in der Provinz Tchekiang lat. 30°, 
32', und gelangte so in den Besitz eines, von unternehmenden 
Menschen bewohnten, weilen Seegestades. Dass zu jener Zeit 
schon eine Schiffsmacht vorhanden war, ersieht man aus der 
1916 v. Chr. stattgehabten Schlacht am Fluss Wei', in welcher die 



1) Foe-koue-Ki, publie par Abel Remusat, Klaproth et Landresse 229, 
230. 

2) Cosmae Aegyptii Monachi Christiana Topographia etc. in B. de Mont- 
faucon collectio nova Patrum et Scr. Graecorum II. 336 — 338. 

3) Tchou-Chou. 



des Muschelgeldes. 99 

Besiegung des Kaisers Siang durch die Zernichtung seiner 
Schiffe entschieden wurde. Unter dem Kaiser Mang, sonst Hoang, 
haben sich die kaiserlichen Vergnügungen auf den Fischfang zur 
See ausgedehnt; 1776 v. Chr. finden wir eines grossen Fisch- 
zugs desselben Erwähnung gethan. 

1558 nahm der Gründer der Yn- oder Chang-Dynastie, 
Tching-Thang, mit dem Eigennamen Li, seine Residenz zu Po, im 
nördlichen Kiang-uan, Departement von Foung-Yang-Fou ; sie 
blieb unter seinen Nachfolgern 158 Jahre daselbst, zu welcher 
Zeit Tchoung-Ting- den Herrschersitz wieder in das Innere, nach 
Ngao im Honan, bei Moung, lat. 34° 55', verlegte. 

Es kann somit nicht wohl bezweifelt werden , dass China 
schon 2000 Jahre v. Chr. zu den seefahrenden Völkern gehörte, 
obgleich es, als ohnediess auswärtigen Handel nicht achtend, nie- 
mals irgend ein besonderes Gewicht auf diesen Zweig der Thä- 
tigkeit seiner Unterthanen legte, ja demselben beständig entschie- 
den abgeneigt war. Unter die Kostbarkeiten hatten, wie bei allen 
Völkern, so auch bei den Chinesen, die Schale der Schildkröte, zu 
den ältesten Zeiten gehört, ihnen schlössen sich die prächtigen 
Muscheln des indischen Archipels natürlich an; sie wurden durch 
Fischerei und Schifffahrt in das Land gebracht; auch Tribute und 
Geschenke haben wohl hierzu beigetragen, wie 835 v. Chr. dem 
König Liwang, von Männern aus dem Lande Thsou, Schildkröten- 
schalen überbracht wurden. 

Es ist nun wahrscheinlich, dass zu der Zeit, zu welcher die 
kaiserliche Residenz in die Nähe des Meeres kam, der raschere 
Absatz schöner Muscheln dieselben bald zu einem beliebten Tausch- 
mittel erhob, und dass sie nach und nach, bei Verallgemeinerung 
des Geschmackes an ihnen, und bei der häufigen -Wiederkehr einer 
Reihe von Gattungen, namentlich unter den Porcellanen, einen 
gewissen Curs zu dem Ankauf der verschiedenen Bedürfnisse 
erhielten, welchen sie auch alsdan n beibehielten, als sich der Herr- 
schersitz wieder in das Innere des Reiches zurückgezogen hatte. 
Natürlich kam nun eine Gattung dieser Muscheln ausserordentlich 
viel häufiger vor, als die übrigen, und da es überhaupt sehr viel 
mehr kleinere Muscheln giebt als grosse, so fand sich auch unter 
allen Gattungen die grosse Anzahl in geringerer Dimension, daher 

7* 



100 Geschichte 

musste auch die spätere Festsetzung des Curses auf die Grösse 
und Gleichheit basirt seyn, was um so mehr angieng, als auch 
den seltenen Muscheln dadurch immerhin ihre höhere Geltung 
im Allgemeinen blieb. So mussten, namentlich bei der Nähe der 
Liuku-Inseln, auch die hübschen, massenhaft vorkommenden, Kauris, 
unter den, eigentlich als Scheidegeld dienenden, Muscheln vorherr- 
schend werden; auch konnten sie sich im Werth erhalten, weil 
sie nicht immer zu bekommen sind. So sagt Franz Pyrard ') von 
diesen Caudis oder Cauris, dass man sie auf den Maldiven zwei- 
mal im Monat fische, nämlich 3 Tage nach dem Neumond, und 
3 Tage nach dem Vollmond, und dass sie sonst nicht zu finden 
seyen. Dass man aber überhaupt unter ihnen immerfort auch 
andere kleine Muscheln zuliess, diess zeigt der früher mitge- 
theilte Tarif, wo nicht die Muschelgaltung, sondern wesentlich 
die Grösse, bestimmend auftritt. Wahrscheinlich hat das, Wort 
Thsiuan die vorzugsweise Bedeutung von kleinerer Muschel, so 
dass, als Tching-Thang kupferne Scheidemünzen einführte, der 
Name Thsiuan auch auf diese übergieng. Dieser Vorgang möchte 
nun dahin führen, dem Muschelgelde die Priorität vor dem Me- 
tallgelde zuwenden zu wollen. Allein, wie schon oben bemerkt, 
so ist das Zeichen des Thsiuan auch das alte Zeichen für Münzen 
im Allgemeinen, tsuen. Die Benennung gieng auf die Muschel 
über, als sie Geld wurde, und wurde auch wiederum der neuen 
Kupferscheidemünze, welche nun an die Seite des Muschelgeldes 
trat, erhalten. Es ist anzunehmen, dass erst, nachdem die Kauris 
der Liuku-Inseln in China an Geldesstatt getreten waren, die 
Speculation auch solche, von weiter entlegenen Orten, in das Reich 
brachte. 1555 wurden die kupfernen Thsiuan geschaffen und 
etwa 2000 Jahre v. Ch. dürften die Muscheln überhaupt, und unter 
ihnen die Kauris, in dem Tauschhandel bedeutend geworden seyn 
und nach und nach die Stelle von Scheidegeld eingenommen haben. 
Und so tritt allerdings das Muschelgeld, wenn auch entschieden 
nach dem Metallgelde, im Allgemeinen dennoch als ältestes 
Scheidegeld hervor. Eine Stelle in der 2. Ode des Chi-king 
lässt einen Mann bei dem Wiedersehen eines seiner Freunde 



1) Yoyage de Fr. Pyrard de Laval 1615. 



des Moscheigeides. J01 

sagen: „Ich bin so vergnügt, wie wenn man mir 1500 pei, 
Kauris, gegeben hatte '). Diese Aeusserung ist mehrfach interes- 
sant; die Lieder des Chi-king gehen bis 1700 Jahre v. Chr. hinauf. 
Die Benennung Pei ist unstreitig umfassender als die Thsiuan; 
es ist hier wohl grobes Muschelgeld gemeint, so dass 
unser Mann nicht von 1500 Kreuzern, sondern etwa von 1500 
Thalern spricht. Es ist aber ferner zu bemerken, dass noch 
jetzt diese Redensart, ohne Angabe der Pei, in China üblich ist, 
„diess ist eine Freude von 1000 oder von 10,000", sagt man 
dort heut zu Tage. 

Ueberhaupt aber muss ein Geldstoff die Eigenschaft der 
Kostbarkeit in höherem oder geringerem Grade an sich tragen; 
diese Kostbarkeit ist aber immer eine Relation der Seltenheit. 
In dem eigentlichen Goldlande fand man daher bei rohen Völkern 
das Gold fast werthlos, in den Muschelländern konnte desshalb 
auch die in Masse gefundene Muschel nicht eher an die Stelle des 
Geldes treten, als Begehr von Aussen eintrat, und also Tausch 
mit Aussen begann. Man muss also stets den Anstoss von vorge- 
rückten, handeltreibenden Völkern erwarten, und es kann sonach 
ein i n 1 ä n d i s c b e r ausschliesslicher und nicht sonst zu vernützen- 
der Schmuckgegenstand , der sich häufig findet, nirgends 
das erste Geld gewesen seyn. Und dieses ist der innere Grund, 
aus welchem der Ursprung des Muschelgeldes hinter das Metall- 
geld gesetzt werden muss. Ein Beispiel hievon finden wir in 
Japan, wo man ebenfalls die Kauris der Liuku-Inseln kennt, 
sie auch holt, um daraus weisse Schminke zu machen, sie aber 
niemals an Geldesstatt verwendet hat. Freilich erheben sich auch 
gegen die Zulassung der Priorität der Liuku Kauris Schwie- 
rigkeiten. Klaproths Karten geben diese Inseln zum erstenmal, 
und zwar namenlos, erst in der Epoche der Thsin, 210 v. Chr. 2 ). 
Für die Zeit der Zertrümmerung des Alexander-Reiches 281 v. 
Chr. sind sie noch nicht verzeichnet; doch sind sie desshalb 
nicht weniger vorhanden gewesen; und hatten unbezweifelt, so 
lange SchifTfahrt von der Küste des Continentes aus betrieben 



1) Biot recherches sur les moeurs des anciens Chinois d'apres le Chi- 
King. Journal asiatique. 1843. II. 436. 

2) Tableaux historiques de l'Asie. Atl. p. 5. 



102 Geschichte 

wurde, Besuche erhalten. Ueberhaupt aber sind wohl fast alle 
Entdeckungen vorhandener Inseln und unbekannter Länder, nichts 
als spätere Besuche, welche einem grossen Kreise erzählt wurden, 
während früher Angelangte, entweder einen derartig gemachten, 
vielleicht besondere Schätze bietenden, Fund nur ihren Angehöri- 
gen vertraut, oder ihn doch nur unter den Stammesgenossen ver- 
breitet hatten. Es miiss sogar der Umstand, dass die Liuku-Inseln 
lange nicht allgemein bekannt waren, wesentlich zu der Werth- 
haltung der Kauris beigetragen, und ihre Erhebung zum Zahl- 
mittel begünstiget haben. Den Landweg fanden die Kauris der 
Maldiven wohl erst nach der Eroberung des Yun-nans durch 
Tchi-hoang-ti, 200 v. Chr.; immerhin blieb jedoch der Verkehr 
Chinas nach dem entfernteren Süden noch ungemein beschränkt. 
Derselbe belebte sich durch den Buddhismus, welcher 64 n. Chr. 
in China Wurzel schlug, und zwar so sehr, dass schon im 2. 
Jahrh., nach Arrians Periplus, der blühende Handel auf der 
Westküste Vorderindiens von den Mündungen des Ganges die 
Waaren von China erhielt. Es War diess die Epoche der 
Einleitung für den Verkehr mit China, welchen wir schon in 
Fa-Hians Tagen, zu Ende des 4. Jahrhunderts, fast ganz von den 
Landwegen verschwunden und auf das Meer übergegangen finden. 
Es liegt diess auch ganz in der Natur der Verhältnisse. War 
doch schon zu Anfang der christlichen Zeitrechnung der ganze 
indische Handel so wesentlich Seehandel, dass die Mündung des 
Caveryflusses zum Stapelplatz von solcher Ausdehnung erhoben 
werden konnte, dass selbst die Erzeugnisse von Ceylon zuvor 
hierher gebracht wurden, um von da erst zur See dem ganzen 
östlichen Indien zugeführt zu werden. 

Dürfte somit nachgewiesen seyn, wie die Kauris nach China 
kamen und dass sie, wie die Muscheln überhaupt, dort erst nach 
den Metallen als Tauschmittel aufgetreten sind, so bleibt uns die 
Untersuchung für Indien selbst, für Afrika, Amerika, für Europa 
noch übrig. 

Was nun Indien anbetrifft, so waren die Maldiven, 
stets in innigem Verbände mit Ceylon, ihre Bewohner sind, wie 
diess ihre Sprache bezeugt, cingalesischer Abkunft '}. Ceylon ist 

1) Lassen indische Alterlhumskunde I. 206, 



des Muschelgeldes 103 

aber das heilige Land des Buddhismus; mit dem Tode Buddhas, 
543 v. Chr., nach cingalesisch-buddhistischen Büchern '}, war 
diese Insel schon in grossem Verkehr mit den indischen Küsten- 
ländern, und zur Zeit der Pändava, etwa 400 v. Chr., waren 
die Völker des südlichen Dekhans und Ceylon in Verband 
mit den Bewohnern des Nordens gewesen; aber noch mehr, 
Lassen sagt (539): „Da nicht denkbar ist, dass die Phöni- 
zier allein den Verkehr zwischen der Indusmündung und der 
Malabarküste betrieben, und eher zu glauben ist, dass sie nur 
zu den Emporien am Indus segelten, so lässt sich schliessen, 
dass die Indier des Nordens schon vor dem Jahre 1000 v. Chr. 
mit ihren südlichen Landesgenossen in Verbindung standen." 

So konnten sich die Kauris, obwohl weder auf den Atollen 
der Maldiven , noch auf Ceylon , noch auf der Ostküste Vor- 
derindiens als Geld dienend, weit durch den grössten Theil in 
Indien verbreiten, und zuerst als beliebter Schmuckgegenstand 
geltend, zum gesuchten Tauschmittel übergehen, welches in der 
Hand der Haupthandelsplätze befindlich, von diesen gerne als 
Zahlmittel gebraucht und anerkannt, und dadurch in den, vom 
Ursprungsorte entfernten, Ländern zu Geld wurde. Im Anfang 
des 11. Jahrh, hiessen die Maldiven Dy vah, wie man von Alby- 
rouny erfährt ? ). Er sagt: „Diese Inseln theilen sich in 2 Classen,. 
nach der Natur ihres hauptsächlichen Erzeugnisses. Die einen 
heissen Dyvah-Kouzäh, d. h. die Inseln der Kauris, wegen der 
Kauris, welche man an den Cocoszweigen, die man in das Meer 
steckt, sammelt; die andern haben den Namen Dyvah-Kanbar, 
vom Worte Kanbar, welches den Faden bezeichnet, den man 
aus den Fasern des Cocosbaumes dreht, und mit welchen man 
die Schiffe zusammennäht". Der arabische Reisende (wahrschein- 
lich Masudi), welcher in der Mitte des 9. Jahrh. berichtet, 
führt diese Namen nicht an, er sagt: „diese Inseln, von einer 
Frau beherrscht , sind mit Cocospalmen bepflanzt. Das Geld 
besteht dort in Kauris; die Königin häuft diese Kauris in ihren 
Magazinen auf. Die Kauris kommen an die Oberfläche des Meeres. 
Man nimmt einen Cocoszweig und wirft ihn in das Wasser: die 

1) Lassen 356 Not. 1. 

2) Reinaud relation etc. Discours preliminaire LVIII. 



{04 Geschichte 

Kauris hängen sich an den Zweigen an" '), Es ist nicht unwahr- 
scheinlich, dass nur durch das Monopol , welches die Herrscher 
an sich rissen, die Kauris an ihrem Ursprungsort ebenfalls zu 
Geld wurden, nachdem sie lange nur Handelsartikel gewesen waren. 
Natürlich konnten sie nur Scheidegeld werden, als welches sie 
auch Franz Pyrard zu Anfang des 17. Jahrh. dort traf; 12,000 
dieser Muscheln galten eine Larine, diese hatte den Werth von 
5 — 800 Basärucos, je nach dem Wechselcurs, 3 Basarucos aber 
machten 2 portugiesische Reys = 0,35 Kreuzer. 

Auch hier erkennen wir ganz denselben Gang, welchen 
wir in China fanden; es erscheinen uns die Muscheln keineswegs 
als erstes Geld. 

Afrika, obgleich selbst an einigen Orten der Küste 
Kauris besitzend, hat sie als Geld sicher aus Indien erhalten. 
Heeren , welchem die nautische Thätigkeit der Indier der West- 
küste nicht bekannt war, Hess die Araber als Zwischenglied, 
zwischen dem afrikanischen und indischen Handel in so grosser 
Ausdehnung treten, dass kein indisches Schiff dabei zugelassen 
ist; wir wissen, dass die indische Schifffahrt die ganze lang- 
gestreckte Küste bis zum Indus belebte. Wir wissen *), dass 
vor der Zeit der Ptolemaeer , also vor dem 3. Jahrhundert 
v. Chr., ein directer Schiffahrtsverkehr zwischen Aegypten und 
Indien nicht Statt fand, mit diesen Herrschern aber eintrat; so 
dass Sopater, welchen Indicopleustes , so eben von Taprobane 
zurückgekehrt, in Adulis traf, und der Taprobane als den Sammel- 
platz von persischen, indischen und aethiopischen Schiffen 
bezeichnet, auch Adulis besonders hervorhebt, als direct von 
dort angekommen erscheint. Vor den Ptolemaeern war das glück- 
liche Arabien der grosse Stapelplatz, sowohl der ägyptischen 
als der indischen Waaren. Adulis aber wurde das Emporium 
von Aethiopien, Aegypten, Arabien und Indien. 

Dass die Kauris nach Arabien kamen, entnehmen wir aus 
Burckhard's Bemerkungen über die Beduinen und Wahaby 0*89), 
welcher an den Weibern des Tor Sinai Gürtel mit kleinen See- 
muscheln, wie diess im Sennar üblich ist, fand, und aus dem 



1) Relation etc. Chaine des Chroniques 4 u. 5. 

2) Arrian Periplus. 



des Muschelgelde«. 105 

oben angeführten Wadaat; dass sie hier nur Schmuck und 

Verzierung der Hundshalsbänder blieben, und als Geld, wozu 

sie, wie man aus dem Schlussvers der Geschichte Timurs von 

Ebn-Arabschan ersieht, „ich wählte Perlen, um ein Halsband 

mit ihnen zu bilden, und ich habe nicht eine einzige Kauri 

Lohn davon getragen" '), auch hier gedient hatten, sich nicht 

halten konnten, ist erklärlich, da die Araber mit den Goldländern 

i 
Aethiopiens in lebhaftester Verbindung standen, und einen so 

ausgebreiteten Handel führten, dass ihnen ein so wenig allge- 
meines Tauschmittel , wie die Muscheln , nicht als Zahlmittel 
brauchbar war; wohl aber ist es nicht zu bezweifeln, dass durch 
sie die Kauris auch nach Afrika gebracht wurden. Dort 
trafen sie ebenfalls mit dem schon bekannten Metallgelde zu- 
sammen. 

Allein Afrika hatte diese Muscheln schon in den ältesten 
Zeiten im Gebrauche. Das Museum zu Leiden besitzt aus den 
alten ägyptischen Gräbern entnommene Porcellanen, sowie Nach- 
ahmungen derselben; doch sind diess wohl keine Kauris, wie 
auch das merkwürdige Muschelhalsband, welches der Catalog mit 
G. 111 bezeichnet, keine Kauris hat l ). 

Das älteste Denkmal des Gebrauches der Kauris, aber nicht 
allein aus Afrika, sondern überhaupt, ist ein goldenes Halsband 
des prächtigen aethiopischen Schmuckes, welcher m Aegypten auf- 
gefunden und durch ßunsen von Verlini in London für das aegyp- 
tische Museum in Berlin angekauft wurde. Mit grosser Ueber- 
raschung fand ich an demselben unübertrefflich gearbeitete gol- 
dene Kauris, als Glieder, zwischen Kreuzen und sonstigen 
Ornamenten. 

Das älteste schriftliche Zeugniss über ihren Gebrauch in 
Afrika gibt der berühmte arabische Polyhistor Masudi, welchen 
Quatremere 3 ) auch als den muthmaasslichen Verfasser der oben- 
erwähnten Reise nach Indien und China bezeichnet. Er hatte 
im Jahr 304 der Hegire — 918 unserer Zeitrechnung — das 

1) Sylvestre de Sacy Chrestomathie arabe. I. 253. 

2) Description raisonnee des monuniens egyptiens du musöe d'anti- 
quittis des Pays-Bas par Leemans 69, 77, 133. 

3) Sur la vie et les ouvrages de Masoudi. Journal, asiat. 1839. VII. p. 23. 



|O0 Geschichte 

Meer der Zindjis zum zweitenmale durchschifft, und erzählt von 
den Zindjis, den Bewohnern der Küste von Mozambik, dass sie 
Eilande an der See hätten, auf welchen sie Kauris zum Schmuck 
sammelten, und sie im Handel unter einander zu einem bestimmten 
Preise gebrauchten. Salt >) fand diese Mitlheilung in einem Werke 2 ) 
des arabischen Geographen Ebn-el-Yardi, und bemerkt, dass der 
grösste Theil der von Masudi gegebenen Beschreibung, noch 
jetzt auf die an der Küste wohnenden Negerstämme Anwendung 
finde. 

Es erhellt hieraus, dass es nicht die Araber waren, welche 
den Zindjis die Kauris brachten, dass sie vielmehr diese Gabe 
von ihren eigenen Küsten erhielten , dass sie dieselben ge- 
brauchten, um sich zu schmücken, dass diese Muscheln dadurch 
zum gesuchten Tauschmittel wurden, welches einen bestimmten 
Preis annahm, und als Verkehrsmittel brauchbar wurden, und somit 
ebenso, wie die anderen Dinge, die Stelle von Geld für den in- 
nern Verkehr vertreten konnten. Da sie zu bestimmten Prei- 
sen cursirten, so musste schon ein anderer Maasstab der Ver- 
gleichung vorhanden seyn, woraus hervorgeht, dass anderes 
Geld, bei dem Goldreichthum des Landes wohl Metallgeld, diesen 
Maasstab abgegeben haben werde, was auch bei dem Verkehr 
mit den zur See anlangenden Fremden nicht wohl anders seyn 
konnte. Die Handelsartikel werden von Masudi mit Elephanten- 
zähnen, Pantherfellen und Seide angegeben; äctiven Seehandel 
trieben die Zindjis nicht, sie hatten keine Schiffe. 

Dagegen ist es bekannt, dass die Küste Mozambik in neuerer 
Zeit einer der wichtigsten Sclavenlieferungsorte für Arabien und 
Aegypten geworden ist, so dass hierdurch Kauris in die dort 
benachbarten Provinzen des Innern, wie zur See auf den grossen 
Markt zu Souakin, und von da selbst nach Arabien gelangen 
konnten. 

Als eine auffallende Erscheinung fand Burchell in den 
Haaren von Buschmännern in der Nähe des gelben Flusses, 
oder Ky Gariep , Kauris, welche sie von ihren Nachbarn ein- 



1) Reise nach Abyssinien II. Cap. Bertuch neue Bibliothek der wich- 
tigsten Reisebeschreibungen. 2. Hälfte der 1. Centurie. 4. Band p. 5t. 
2} Kheridat al Aschaje bwa feridat al Gojareb. 



des Muschelgeldes. 107 

getauscht zu haben vorgaben '). Caillaud 2 ) sagt uns, dass die 
jungen Mädchen des Sennars ihre Schamgürtel mit Kauris und 
mit einer peau de tigre, — der grossgefleckten Tigerporcellane, 
cypraea tigris Linn., — dort dem Symbol der Jungfrauschaft und 
Unmannbarkeit ausgeschmückt haben, und dass diese Muscheln 
von Souakin kämen. Er fand die kleinen Porccllanen an den 
Kopfquasten der Dromedare im Fazoql 3 ) ; wahrscheinlich dieselben 
weissen Muscheln , welche Burckhard 4 ) an dem Kamelgeschirr 
der Weiber der Hadendoas sah. Die Adharebs 5 ), Kaufleute von 
Saouakin bringen die Muscheln ihres Meeres bis nach Kurdofan, 
von wo der Waarenzug nach Darfour geht. Sie führen auch indische 
und arabische Artikel, und beleben besonders den berühmten Markt 
von Chendy. Rüppell fand die Cypraeen oder Porcellanmuscheln 
unter den Namen Saegul auf dem Markte zu Entchetqab, in dem 
abyssinischen Berglande Simen, zum Kinderputz bestimmt, aber 
damals nicht sehr in der Mode 6 ) ; bei den christlichen Abyssinie- 
rinnen zu Halai in der Provinz Akakokasai sah derselbe Reisende 
die Cypraeen als beliebten Bestandlheil von Ringen und Arm- 
spangen 7 ). 

Rüppell nennt nur Cypraeen schlechtweg, so dass nicht 
ersichtlich ist, ob hier die cypraea moneta gemeint ist, dagegen 
bezeichnet sie Caillaud mit monnaie de Guin6e, also ganz un- 
zweideutig. 

Uebrigens waren Muscheln, wie Makrizi von einem seiner 
Zeitgenossen erfuhr, und diess als eine auffallende Sache bezeich- 
net , für deren Bestätigung er die Glaubwürdigkeit seines Be- 
richterstatters verbürgt, im 14. Jahrhundert in Saide im Curs, 



1) Reisen in das Innere von Süd-Afrika XIII. Bertuch Biblioth. 2. 
Hälfte der 1. Centarie 32 Bd. p. 324. 

2) Voyage ä Me"roö, au fleuve blanc, au delä de Fazoql dans le midi 
de Sennar, a Syouah et dans cinq autres Oasis, fait dans les annöes 1819, 
1820, 1821 et 1822. T. II. p. 289. 

3) T. III. 64. 

4) Reise in Nubien 593. 

5) Nach Burckhard's Reisen in Nubien 605 „Hadherebe" statt Had- 
harenie. 

6) Reise in Abyssinien II. 25. 

7) I. 311, 



108 Geschichte 

und zwar für Gegenstände von geringem Werth; er nennt sie 
coudhas (Muscheln), welche in Aegypten den Namen wada 
trügen '). Es sind diess ohne Zweifel die Woda, welche Burek- 
hard in den Zelten der Bewohner von Taka, als Bestandtheile 
von Verzierungen fand, sie sind weiss und kommen aus dem 
rothen Meer 2 ). Wahrscheinlich kommt hiervon das Wadaat der 
Araber , welches zum Schmuck der Hundehalsbänder dient ; 
Rumph 3 ) meint , dass dasselbe aus kleinen Kaüris bestehe. 
Klein *) sagt „Wadaat Arabum. Inter venereas longas". Tych- 
sen 5 ) meint, dass ein Schreibfehler statt cauris, wada gesetzt 
habe, allein Sylvestre de Sacy weist 6 ) nach, dass die Vermuthung 
durch kein einziges Manuscript bestätigt werde, dass vielmehr 
ein ganz anderes und besonderes arabisches Wort, als das 
durch die Correctur Tychsens entstandene, die Kauris bezeichne. 
— Offenbar finden wir uns hier wiederum auf dem Felde des 
alten Streites, welcher sich auf gleiche Weise, wie früher, lösen 
dürfte; nämlich statt Kauris, mit Rüppell und Klein, Porcellane, 
Cypraeen, Veneraeen, im Allgemeinen zu setzen, wodurch dann 
die Kauris keineswegs ausgeschlossen sind. 

Die dem Meere zu Souakin eigenen Muscheln, welche einen 
Handelsartikel der dortigen Kaufleute für das Innere Afrika's 
bilden, sind das von Burckhard 7 ) erwähnte Dhofer, nämlich die 
Schalen eires, im rothen Meere sich findenden, Thieres, welche 
in Stückchen zerschnitten und als Räucherwerk gebraucht wer- 
den, da sie, wenn man sie über das Feuer hält, einen ange- 
nehmen Geruch geben ; auch werden sie wie Perlen geschnitten, 
kommen sodann nach Hedjaz und Aegypten, wo sie sehr geschätzt 
und von vornehmen Frauenzimmern als Halsbänder getragen 
werden. Sie gelangen von Souakin aus nach Djidda. Die er- 
wähnte Tigerporcellane ist an der Küste von Mozambik so häufig, 



1) Sylvestre de Sacy Chrestomathie arabe I. 251. 

2) Reisen in Nubien 545. 

3) Amboinische Raritäten-Kammer 96. 

4) Martini I. 407. 

5) Almakrizi historia monetae arabicae p. 130. 

6) Chrestomathie arabe. I. 253. 

7) Reisen in Nubien 436. 



des Muschelgeldes. 109 

dass sie von Klein „de Mozambiekse Kliphoorn" genannt wurde, 
ebenso oft kommt sie in Madagascar vor, sie wird aber auch 
in allen Theilen des rothen Meeres gefunden, wesshalb sie Jus- 
sieu ') Erythraea punctata nennt. Auch die auf den Maldiven 
in Masse fallenden kleinen Eselchen, cypraea asellus Linn., finden 
sich im rothen Meere, sie heissen daher bei Jussieu Erythraea 
minor variegata et fasciata. Auch die erythraea varia ad hia- 
tum punctata, die Pockenporcellane, schwarze Masern, cypraea 
caurica Linn., welche am häufigsten in den ostindischen Gewässern 
vorkommt, gehört hierher. 

Aus allem diesem geht hervor, dass vorzüglich die Kauris 
und sonstige Porcellanen, auf dem Handelsweg der Kaufleute 
von Souakin, die östlichen Theile von Afrika erreichen. Geld 
sind sie im östlichen Afrika nur an ihren Ursprungsorten selbst. 
— Die Adharebs von Souakin dringen aber direct bis nach 
Kurdofan; dann gehen ihre Waaren. nach Darfur. Von hier 
aus kennt man weitere grössere westliche Handelsbeziehungen 
nicht, allein man findet die Kauris wiederum in Bornu, und zwar 
ebenfalls blos als Schmuck, und es hat Clapperlon ein Itinerarium 
von Malam Mohamed aus Masina, und Hadji Omar, der eben aus 
Mecca nach Soccatu zurückgekehrt war, über die ganze Strecke 
von da bis nach Souakin erhalten, so dass dadurch der volle 
Beweis der Verbindung der Centralstaaten Afrika's mit Arabien 
hergestellt ist. Er bezahlte für diese Mittheilung 20,000 Kauris 2 ). 

Wenden wir uns nun zu dem weiteren Hauptfundort der 
Kauris, an der Westküste Afrikas, so lehren uns die ältesten 
Reisen, dass, als die Europäer an der Küste von L o a n d a an- 
kamen, sie die, dort einheimischen Kauris als Geld fanden, und dass 
dieses Geld sich über den grössten Theil des Königreiches 
Congo verbreitet hatte 3 }. Nach neueren Reisenden dient dieses 
Muschelgeld an der Küste von-Accra in dem Herrschaftskreise 
der Ashantees zu Dagwumba, Inda, Gaman, in dem Königreiche 



1) Martini I. 331. 

2) Clapperton. Tagebuch der zweiten Reise in das Innere von Afrika, 
311, 339 und 431. 

3) Ed. Lopez, übersetzt durch Cassiodorus, Beschreibung des König- 
reichs Congo, vom Jahr 1578, Fol. 8. u. f. 



HO Geschichte 

Kong, in Bambarra zu Sego, Sansanding, in Tombuctu, in Nyfifö, 
zu Kulfa oder Kulfie, im Sudan, jetzt und schon zu Makrizi's Zeit ') 
zu Soccatu, Kaschna, Kano; in Mandingo gelten noch Kauris 
neben dem dortigen Salzgeld, in Bambarra aber beginnt ihr aus- 
schliesslicher Curs, so dass Mungo Park 2 ) in Marrabu geiröthiget 
war, 20,000 Kauris einzuwechseln. 

So ist es also der Lauf des Nigers, welchem von seinem Ein- 
tritt in Bambarra an das Muschelgeld in das Herz von Afrika folgt, 
bis es in Bornu seine Grenze findet, und es ist merkwürdig, dass 
der neueste Reisende, welcher sich der Erforschung des Inneren 
von Afrika widmet, Dr. Barth, eben diesen Strom, durch seine 
Verbindung mit dem, in das mittelafrikanische Königreich Adämavo 
fuhrenden Tschadda, für die Bahn des gedeihlichen Eindringens 
erklärt. 

Wie kamen aber die Bewohner Congos auf den Gedanken, 
Kauris als Geld zu verwenden? 

Höchst wahrscheinlich, wie die Bewohner Mozambiks, durch 
den Sclavenhandel, der hier wie dort blüht. Es hat aber Bow- 
dich in den Ashantees ausgewanderte Aethiopier erblickt, und 
Marsden fand, nachdem er die Sprache von Mozambik durch 
einen Sclaven jenes Landes gelernt hatte, durch das Wörterbuch der 
Congosprache, das Tuckey herausgegeben hat 3 ), dass viele Wurzeln 
beider Sprachen gemeinsam seyen, so zwar, dass dadurch die ge- 
naueste Verwandtschaft der Völkerstämme auf der Ost- und West- 
küste von Afrika erwiesen sey; diese Wurzeln treffen auch mit den 
Worten von Loango und Angola zusammen, ferner mit der Sprache 
der Camba an der Westküste, und der Mandingo, nur weniger voll- 
ständig. Diese Verwandtschaft ist nach Marsden so gross, dass 
höchst wahrscheinlich alle diese Völker sich gegenseitig ver- 
stehen werden. Dass die beiden Völkerzweige von Ost- und 
Westafrika gegenwärtig als ganz verschiedene Völker anzu- 
sehen sind, ist nicht zu bezweifeln, aber die Uebereinstimmung 



1) Burkhard, und Ritters Afrika S. 1039. 

2) The Journal of a mission to the interior of Africa in the year 1805, 
p. 144. 

3) Vocabulary of the Malemba and Embomma Language Ap. I. der 
Narrative of an Expedition lo explore the River Zaire. 1816. 



des Muschelgeldes. \\\ 

der Wörter, welche die einfachsten Vorstellungen in dieser 
Sprache bezeichnen, beweisen dem scharfsinnigen britischen For- 
scher , dass diejenigen Nationen , von welchen sie gesprochen 
werden, einst in einer Urzeit von einem gemeinsamen Stamme 
sich abzweigten '). Es ist ferner merkwürdig, dass die Gesichts- 
einschnitte oder Tätowirungen, welche die Landsmannschaften zu 
bezeichnen pflegen, an den Sclaven von Mozambik dieselben sind, 
wie in Congo und an der Guineaküste. Mit dieser bedeutsamen 
Thatsache in Verbindung stehen aber die Nachrichten über frühere 
directe Handelswege von Mozambik nach Congo. Dos Sanctos 2 ) 
sah in Sofala Kunstarbeiten der Portugiesen, welche von der 
Angolaküste quer durch Afrika von den KafFern vofi Abütua 
nach Manica gebracht waren, woselbst sie wiederum von den 
Portugiesen eingehandelt wurden. Diess stimmt mit der Aussage 
eines portugiesischen Sclavenhändlers , welcher, wie Barrow 3 ) 
erzählt, angab, dass noch damals von Mozambik und Sofala eine 
directe Verbindung, durch den afrikanischen Continent hindurch, 
mit den Colonieen in Congo, Loango und Bengola unterhalten 
wurde. Dapper *) gibt einen Handelsweg der Portugiesen von 
Congo durch das Land der Anziko und der Nimiemaier an, und 
Campbell 5 ) bestätiget denselben. Die neueste Zeit endlich brachte 
uns die Kunde, dassdrei maurische Kaufleute den Weg von Mozam- 
bik nach Angola zurückgelegt hatten und damals gerade auf 
dem Rückwege begriffen waren 6 ). So ist es allerdings auch auffal- 
lend, dass nun auch die Kauris als gemeinschaftliches Geld an 
diesen, so weit von einander entfernten Küsten auftreten und 
man dürfte versucht seyn, diese Thatsache als weiteren Beleg der 
Verwandscbaft dieser Stämme anzunehmen ; ja es für ganz möglich 
halten, dass die Bewohner von Congo durch eine, der so häu- 
figen, Völkerströmungen der afrikanischen Stämme, einst aus dem 



1) Ritter, Erdkunde. Afrika'. 2. Aufl. 292. 

2) Aethiopia orientalis in Purchas Pilgr. II. Fol. 1548; Bitter 142. 

3) Account of travels into the Interior of South Africa 1804. II. p. 118. 

4) Afrika, S. 634. 

5) Political survey of Greal Britain II. u. bei Ritter, Afrika 366. 

6) Bulletin de la Bociete de gcograph. Octob. 1852. Ausland 1853, 
W. 301. 



\\2 Geschichte 

weit entlegenen Osten von Mozambik durch den Continent her- 
übergerissen wurden, und hier mit freudigem Erstaunen die so 
beliebten heimathlichen Muscheln vorgefunden haben. 

Obgleich Marco Polo schon die Kauris kannte, so waren 
es doch erst die , Jahrhunderte später an der Küste von Guinea 
im Curs getroffenen Muscheln, welche die Aufmerksamkeit der 
Europäer auf sich zogen, und ihnen den Namen der mohrischen 
Münze, der Münze von Guinea, der Conchomünze verschafften. 
Die Portugiesen hatten sie hier gefunden, ehe sie Mozambik, ehe 
sie Indien berührten. Aber erst die Betheiligung an dem S c 1 a v e n- 
handel konnte ihre Bedeutsamkeit fühlbar machen; denn nur 
durch diesen entstand ein, von der Küste tief in das Innere 
des afrikanischen Festlandes eindringender, Verkehr, welcher im 
Sudan den uralten Hauptsitz erreichte; dort, wohin die ver- 
schiedenen Stämme ihre Opfer schleppen, hatten die Kauris immer 
eifrige Bewunderer getroffen, denn als Schmuck hatten diese 
Muscheln auf die Schwarzen allgemeine Anziehungskraft geübt, 
und so war hier, als allgemein gewünschtes Tauschmittel, das 
Muschelgeld entstanden , sobald nur eine gehörige Anzahl Kauris 
auf den Märkten eingetroffen war. Hierfür sorgten nun die 
Europäer in grossem Stil. 

Ehe die Portugiesen nach Guinea gekommen waren, hatten 
sie schon den afrikanischen Sklavenhandel eröffnet; sie hatten 
Araber von der. neuentdeckten Küste Afrikas fortgeschleppt, für 
welche Neger zur Auswechslung angeboten und angenommen 
wurden; man setzt das Betreten dieser schmachvollen Bahn. durch 
die Europäer auf das Jahr 1442. Als sich daher in Guinea die 
unmittelbare Berührung der Portugiesen mit der schwarzen Be- 
völkerung ergeben hatte, als sie nach Indien gekommen waren, 
und überall schwarze Sclaven gefunden hatten, als sie auf der 
Küste von Mozambik zu Anfang des 16ten Jahrhunderts, die 
Schwarzen ebenfalls heimisch, und einen blühenden Sclavenhandel 
in den Händen der Araber getroffen, und als sie sich hier fest- 
gesetzt hatten, musste ihre Aufmerksamkeit auf den Schwarzen- 
handel lebhaft gesteigert werden. Aber ein Ereigniss trat ein, 
welches für die schwarze Bevölkerung furchtbar entscheidend 
wurde. In den Bergwerken von Domingo erlagen die Indianer 



des Muschelgeldes. {{3 

in Masse der ihnen auferlegten Anstrengung; man fand sie zu 
schwächlich , und hatte die Ausdauer der Schwarzen kennen 
gelernt, denn von den portugiesischen Besitzungen in Afrika 
waren schon 1503 die ersten Sklaven nach den spanischen Colonieen 
in Amerika gebracht worden; da erlaubte Carl V. 1517, mit auf 
die Bitte des grossen Indianerfreundes Las-Casas, dass Neger- 
sclaven regelmässig aus den portugiesischen Niederlassungen von 
Guinea übergeführt werden durften '). Das Monopol gieng 
durch Kauf an die Genueser über. Die Speculation gerieth nur 
zu gut, ganz Westindien, mit den amerikanischen Continenten, 
griffen gierig nach der neuen Hülfe und es entstand eine neue 
Sclaverei unter christlichen Herren , von welcher die rohesten 
Barbaren aller Zeiten kein Beispiel aufzuweisen haben. Das 
christliche Europa riss sich um den gräulichen Lohn des Menschen- 
handels auf Leben und Tod. 

Es musste daher auch das Tauschmittel scharf in das Auge 
fassen, welches ihn schon lange belebt hatte. 

Schon zu Anfang des 16. Jahrhunderts hatte Francisco de 
Almeyda ein Fort auf den maldivischen Inseln errichtet, und sich 
so die Verfügung über die Kaurischätze des Tausendinselreiches 
gesichert, doch ohne, wie es scheint, einen grossen Werth 
hierauf zu legen; was auch dadurch begreiflich wird, dass die 
Portugiesen in Congo, wie Mozambik, dieselben Muscheln hatten; 
immerhin entwickelte sich aber hier das Bild eines lebhaften Be- 
gehrs nach diesem Gute vor ihren Augen. 

Schon ein Jahrhundert lang, seit der Gründung des Reiches 
des Grossmoguls, war Bengalen, mit seinen herrlichen Strömen 
und seiner üppig wuchernden Küste, der Sitz eines wichtigen 
Handels geworden, und es ist wohl in diese Zeit die lebhafte 
Einfuhr der Kauris in dieses Land zu setzen, welche noch in 
der Mitte des 18. Jahrhunderts ein Gegenstand lebhafter Speculation 
der Briten nach Besitzergreifung des Landes wurde. Sie folgten 
hierin dem Beispiele der klugen Holländer, die schon ein halbes 
Jahrhundert früher einen guten Zug zu machen gewusst hatten. 



1) Robertson, History of America, Book III. 
ZeiUchr. für SUaUw. 1894. 1» Heft. 



1J4 Geschichte 

Rumph, der zu Ende des 17. Jahrhunderts auf den Maldiven 
war, erzählt, dass er öfters 30 — 40 Schiffe mit diesen Muscheln, 
und nach allen Gegenden von Indien bestimmt, befrachtet ge- 
sehen habe '). Wenige Jahre später waren die Holländer unter 
diesen Schiffern. Bonani 2 ) berichtet hierüber: „has (cochleas) 
mercatores, Ollandi ad partes Americae deferunt, ibique cum 
aliis mercibus commutant. Etenim nunciatum fuit publicis paginis 
per Europam dispersis, cum Anno 1707 classis Hollandica tredecim 
navium, quas onerarias vocant, ex Batavia Indica in Europam 
rederet, deferri inter pretiosas merces hujus generis conchas, 
pondus 192,951 librarum aequantes, ut eas in ora novae Guineae 
cum aliis mercibus pecuniae loco mercatores commutarent." 

So sehen wir die maldivischen Kauris von den Holländern 
über drei Welttheile mit einer einzigen Hauptoperation verbreitet; 
der Vortheil zeigte sich sehr bedeutend. Ganz gleich verfuhren 
später die Engländer, indem sie die Concentrirung der Kauris 
in Bengalen begünstigten, und von diesem grossen Depot aus, 
so lange sie sich bei dem Sclavenhandel betheiligten, das Muschel- 
geld vorzüglich nach Guinea brachten. 

Ihre jährliche Ausfuhr aus Bengalen betrug, nach Rennell 3 ), 
an 100 Tonnen Kauris, welche über Guinea in den Sudan giengen. 
Es ist augenfällig, dass von diesem Zeitpuncte an, die Leb- 
haftigkeit des Verkehrs mit diesem Muschelgelde ungemein ge- 
hoben werden musste. Auch noch jetzt bringen die Engländer 
viele derselben nach dem blühenden Königreiche der Guineaküste, 
Dahome, dem Sparta Africas. Ritter 4 ) hält für wahrscheinlich, 
dass diese Kauris ihren Zug von der Guineaküste über das Hoch- 
land durch Aschanti, Dagwumba, nach Tombuclu, und von da in 
den Osten und Westen vom Sudan genommen hätten. Dafür spricht 
allerdings der grosse Markt zu Cumassie, der Hauptstadt der 
Aschanti, woselbst Bowdich zwar die Kauris nicht als Münze, 
wohl aber als Besatz der Hutbänder der Hauptleute fand, und 
wo ein solcher Zusammenfluss von Sclaven stattfindet, dass diese 



1) Martini I. 407. 

2) Museum Kircherianum auctum p. 463. No. 233. 

3) Ritter, Afrika 1040. 

4) 1039. 



des Muschelgeldes. 1J5 

fast werthlos sind. Sie kommen hauptsächlich aus den, Aschanti 
unterworfenen, Staaten. Der Einfluss des Herrschers von Aschanti 
erstreckt sich aber bis zum Niger; der Handel sogar bis nach 
Fezzan. 9 Hauptstrassen führen von Cumassie nach allen Welt- 
gegenden, und Bowdich fand hier Krieger aus Kaschna. Ein 
grosser Handelszug nach Houssa zum Niger geht durch das Reich 
Dagwumba über die Hauptstadt, welche berühmte Märkte hat, 
und von den, fast nur aus Mohammedanern bestehenden, Kauf- 
leuten besonders vorgezogen wird. Gerade gegen Norden führt 
die Tombuctustrasse über das Konggebirge an den Niger; sie 
ist weniger vom Handel belebt; indessen liefert sie die meisten 
Sklaven nach Cumassie. So natürlich und einfach nun auch 
Ritters Annahme des Weges der Verbreitung der Kauris ist, so 
kann man sich doch nicht mit derselben begnügen, wenn man 
die von Dr. Barth mitgetheilte Thatsache, dass sie auch am 
Senegal und am Gambia cursiren, erwägt und vorzüglich 
den Curs des Muschelgeldes in den verschiedenen Ländern 
zu Rathe zieht; denn obgleich derselbe nicht auf einen vollkommen 
richtigen gemeinschaftlichen Werthmesser zurückzuführen ist, so 
dürfte er mit einiger Umsicht dennoch brauchbare Verhältniss- 
zahlen liefern. Das Silber wird uns auch hier am Besten dienen 
können; freilich mit Beachtung desselben als Waare, obgleich, 
wie wir finden werden, die im Silberwerthe, in diesen Gegenden 
eintretenden, Schwankungen von untergeordnetem Einflüsse sind. 
Für 1 engl. Shilling zu 12 pence Sterling, gesetzmässig 
= 0,31746 Conv. Thaler =10 preuss. Silbergroschen, 
hat man Stücke Kauris erhalten: 

Auf den Maldiven nach Pyrard ') — An- 
fang des 17. Jahrhunderts — 12,000 = 1 
Larine = 5 — 800 Basarucos; 3 Basarucos = 
2 portug. Reys 7590—12,144. 

Nach dem jetzigen Werthe der Larins = 
0,26662 Thaler 14,288. 

In Bengalen, nach Ritter *} .... 2400. 



1) Sammlung der besten Reisebeschreibungen 13. Band. 414 und 394. 

2) Afrika, 1040. 

8* 



HQ Geschichte 

In Calcutta, nach Mac-Culloch •), 2560 = 1 

Current-Rupie = 2 Shilling 1280. 

und mit Berechnung von 20% Einfuhrzoll nach 
Calcutta geliefert 1536. 

ImYün-nan,nachMarco-Polo, 13. Jahrhundert 71. 

Daselbst, nach Klaproth 2 ) — heut zu Tage — 
1 Sa oder 80 Stück, 6 / 10 oo einer chinesischen Unze 
Silber, im Werth von 6 Shilling 8 pence 1975. 

In Soccatu, um 1805 erbaute Hauptstadt der 
Felatahs in Houssa, nach Clapperton 3 ) — im Jahr 
1825 — 500 Kauris = 6 pence .... 1000. 

In der Handelsstadt Aghades, im Reiche 
Ahir oder Asben, 16° 27' nördl. Breite und 
25° 10' östl. Länge von Ferro, nach Dr. Barths 
Mittheilung, etwa 1000 Kauris 1 fl 558*3. 

In K ul f u oder K u 1 f i e, Hauptstadt von Nyffö, 
nach Clapperton 5 ) , 3000—5000 Kauris für 2 
Dollars, oder spanische oder mexikanische 
Piaster; Marktpreis- Aequivalent 339 — 565. 

In Kano in Houssa, nach Clapperton 6 ), im 
Jahr 1824; 3000 Kauris für l'/a Dollars; Markt- 
preis-Aequivalent 452. 



1) Handbuch für Kaufleute II. 57. 

2) Journal asiatique 1834. XIII. p. 155. 

3) Tagebuch der 2. Reise in das Innere von Afrika, Neue Bibliothek 
der Reisebeschreibungen 55. Band p. 302. 

4) Sie erscheinen hier mehr als Ausnahme, und wie Dr. Barth bemerkt, 
nicht wie in den Gegenden des Niger, am Senegal, Gambia, an der 
Guineaküste. Gewöhnlich ist hier reiner Tauschhandel. Indessen treten als 
Geldsurrogate Baumwollenstreifen auf, vorzüglich aber der Ghussub, 
eine Art Hirse. Der Miethkal = 10 Säcken ist die Einheit. 2 l / 2 Miethkal 
= 1 österr. Marien-Theresienthaler, der hier Curs hat. In Bagirmi dient 
für kleinere Gegenstände ein Kattunlappen, 2 Ellen lang und 3" breit, 
farda; für grosse Gegenstände ein grobes Hemd, für die grössten ein feines 
Hemd = 3—4 grobe. Auf dem Weg von Tripoli nach Murzück findet 
man Seidenstränge an der Stelle des Geldes. 

5) 2 ; 193. 

6) 1. Tagebuch, neue Bibliothek, 43. Band, S. 559. 



des Muschelgeldes. {{f 

Daselbst, nach Clapperton ') — im Jahr 1825 — 
3000 Kauris für 1 Dollar , im Wechselgeschäft 678. 

Heut zu Tage, zu Dahome, nach der Mit- 
theilung eines, in Afrika lebenden, europäischen 
Kaufmanns an Prof. Hanssen, in Säcken von 
10 Cabeza, 1 Cabeza = 50 Tocco *), 1 Tocco 
= 40 Kauri, an der Küste, und 38 im Innern, 
z. B. im Rechnungswesen des Königes. Höchstens 
2400, wenigstens 1600 Kauris für 1 Dollar, 
und, was dasselbe ist, 1 Akie = 60 Tocco 
für Vi e Unze Goldstaub 3 ) 542—362. 



1) 2. Tagebuch, S. 240. 

2) Ohne Zweifel toque, Engl, strings. 

3) Hinsichtlich des h«utfgen Kaurihandels gibt derselbe Correspondent 
noch folgende Auskunft: „An der Westküste von Afrika, Dahome u. s. w. 
circuliren 2 Sorten von Kauris, eine weisse, und eine mehr bläuliche; erstere 
ist, weil haltbarer, mehr geschätzt; doch haben beide gleichen Preis; mehr 
im Innern soll man die bläulichen halbwegs als unacht ansehen, nimmt sie 
aber doch an, wenn auch ungern. Die Differenz in der Grösse der einzelnen 
Kauris übt auf ihre Geltung keinen Einfluss ; die kleineren werden aber lieber 
genommen (auch zum Schmucke), weil sie gleich viel gelten, dabei weniger 
Transportkosten verursachen. Die Europäer kaufen und verkaufen sie nur 
nach dem Gewichte, wobei der Preis sehr verschieden ist, je nach der 
Grösse der Kauris; man greift probeweise einige Hände voll aus jedem Sack 
heraus und bestimmt darnach; je grösser die Kauris sind, desto schlechter 
werden sie natürlich per Centner bezahlt. Das Bedürfniss der starken Zu- 
fuhr erklärt sich hauptsächlich aus der Sitte wohlhabender Neger, Massen 
von Kauris zu_ vergraben, was auch eben so mit den Piastern geschieht. Im 
innern Verkehr, und für denselben, werden die Kauris einzeln gezählt (sehr 
beschwerlich bei einer so geringfügigen Scheidemünze); man lässt diess viel 
durch Keger in verschlossenen Stuben thun. Der Rayon der Kauris an der 
Westküste scheint ziemlich begrenzt zu seyn; in Aschanti circuliren sie schon 
nicht mehr; an der Goldküste, nicht mehr westlich von Anamaboe, südlich 
in den portugiesischen Niederlassungen und den dortigen Hinterländern. 1 ' 

Die in dieser, von Prof. Hanssen uns freundlich zugewendeten, Belehrung 
erwähnten bläulichen Muscheln, sind wohl die früher genannten blauen 
Schlangenköpfchen. Der Referent aus Afrika fasst das Schwanken der Preise 
so auf, als ob der Preis der Kauris ein ganz constanter sey, und nur die 
Dollars, je nachdem sie reichlicher oder knapper vorhanden, höher oder 
niedriger bezahlt würden. Unsere Uebersicht der Kauripreise beseitiget diese 
Ansicht gründlich, da ein Unterschied im Werthc des Dollars von 75°/o auf den 



H8 Geschichte 

Nach Forbes l ), in Dahome — 1851 —bis 2600 
für 1 Dollar 568. 

In Dagwumba und A ccra, nach Bowdich 2 ), 
— im Jahr 1817 — 5 Schnuren = 200 Kauris = 
1 Toko, 8 Tokos = 1 Ackie, 16 Ackies =± 1 
Unze Gold = 96 Franken 319. 

In der dänischen Colonie Christiansburg 
und Friedensburg, in Aquapim, vor Ab- 
schaffung des Sclavenhandels, nach Isert 3 ) — 
1784 — 20 Kauri = 1 Tabo = 1 dänischen 
Schilling 825. 

Auf dem Caravanenweg der Mandingoneger, 
von S e g o bis zur W e s t k ü s t e , nach Caille" 4 ) 278. 

In Ka s c h n a und S e g o nach Beaufoy s ) . 250. 

In Westindien nach Voigt 6 ) .... 46. 

Somit wären die Kauris dreimal wohlfeiler im innersten Sudan 
als an der Küste von Oberguinea ; ja sie treten hier am theuersten 
in Ost-Afrika auf, mit Ausnahme der Märkte von Kaschna und 
Sego. 

Dieses Verhältniss ist aber offenbar neuerer Zeit angehörig. 
Früher, als die Strecke von Cap Coast bis Accra noch das grosse 



westafrikanischen Kaurimärkten nicht angenommen werden kann, und zudem 
Clapperton in seinem 1. Tagebuch, S. 545, ausdrücklich sagt, dass ein stehendes 
Verhältniss zwischen Dollars und Muschelgeld in Kano stattfinde; dass die 
Weiberlücher , die Azane , auf dem Markte zu Kulfu 3 — 5000 Kauris oder 
2 Dollars kosten, so dass also der veränderliche Werth der Kauris hier dem 
unveränderlichen des Dollars gegenübersteht; indem der feste Silberpreis von 
2 Dollars für dieselbe Waare gilt , welche die veränderliche Kaurisumme 
fordert. 

Man kann nicht dagegen anführen, dass Clapperton im Jahr 1825 von 
seinem Wechsler nur 1500 Kauris, statt der üblichen 3000, für ein Dollar er- 
hielt; es war diess eine unverschämte , seine Koth ausbeutende, Frellerei. 

1) Dahomey and the Dahomans. 

2) Mission der englisch afrikanischen Colonie von Cape-Coast - Castle 
nach Aschantee, Neue Bibliothek d. w. R. 21. Band, 438 und 72. 

3) IN'eue Reise nach Guinea 125. 

4) Voyage a Timboctou II. 68. 

5) Rennell, bei Ritter, Afrika 1039. 

6} Lehrbuch der Zoologie, 3. Band 445, ohne Angabe der Quelle. 



des Muschelgeldes. {\Q 

Emporinm der Goldküste war, als Annamaboe den grössten 
Sklavenmarkt besass, als unaufhörlich 20 — 30 Segel der euro- 
päischen Nationen da vor Anker lagen , waren auch die Kauris 
massenhaft hier, und wie wir aus unserer Uebersicht der Preise 
von Christianburg und Accra sehen, fast auf der Hälfte ihres 
jetzigen Werthes. Damals mögen diese Kauris den Weg, welchen 
Ritter vorzeichnet, befolgt haben. Aber der Negerhandel hatte 
längst vorher auch noch andere höchst wichtige Richtungen, 
welche sich alle im Sudan concentrirten ; es ist daher nicht anders 
zu erwarten, als dass die Kauris nicht nur einen dieser Wege 
einschlugen, sondern , dass sie von dem Hauptlandeplatz der, aus 
Indien kommenden, Schiffe excentrisch alle Ausläufer dieser Rich- 
tungen erreichten, um sodann wiederum auf allen diesen mercantilen 
Operationslinien im Herzen des Handels zusammenzutreffen. In 
der That erfahren wir, dass die Engländer ihre Kauris an Handels- 
leute aller Gegenden verkauften; wir hören von Caille '), dass 
die Einwohner von Oberbambarra ihre Kauris von den euro- 
päischen Kaufleuten der Westküste Afrikas, und den Mauern 
an der Küste des mittelländischen Meeres erhalten; man findet 
sie in Menge in Fez. Wenn man sich aber nach diesem grossen 
Mittelpuncte umsieht, so entdeckt man ihn in dem berühmten 
Tombuctu. In diese, 1213 erbaute, Stadt' 2 ) zogen, allein von 
Marokko, Anfangs des 18. Jahrhunderts, jährlich Caravanen, oft 
von 16 — 20,000 Kamelen, nachdem die Stadt in Abhängigkeit 
von Marokko gekommen war. Zahlreiche Züge kommen aus dem 
Süden von Aschanti, aus dem Westen vom Gambia und Senegal, 
aus dem Norden von Tripoli und dem Fezzan, aus dem Osten 
vom Innern des Sudans und Bornu; Tombuctu wird daher auch 
die meisten, die wohlfeilsten Kauris haben; man behauptet auch, 
dass dem so sey, und kann diess aus Soccatu schliessen, welches, 
in unserer Uebersicht , die höchste Kaurizahl für 1 Shilling in 
Afrika zeigt. 

Der Weg der Verbreitung der einheimischen C o n g o-K a u r i s, 
welche den indischen die Bahn brachen, wäre nun noch zu be- 



1) II, 78. 

2) Joannis Leonis Africani totius Africae descriptio 



120 Geschichte 

sprechen. Die Anhänger der neueren Hypothese — nunmehr durch 
Dr. Barth fast ausser Zweifel gestellt — nach welcher der Niger, 
an dessen Ufer die Kauris ihren Hauptverkehr haben, in dem 
Busen von Guinea ausmündet, und der Congo oder Zaire, nach 
Mungo -Park und Maxwell, oder der Rio del Rey und der Rio 
Formoso, oder Benin Strom, nach Reichard ist, werden vielleicht 
so die Muscheln in das Innere dringen lassen, ja rückwärts in 
diesem Vorkommen der Kauris eine neue Stutze ihre Ansicht 
finden. Sichere Anhaltspuncte geben uns aber die zugänglichen 
Wege, welche von Congo gegen den Niger führen, und über 
welche Bowdich '), sich an Reichard auf eine merkwürdige Weise 
anschliessend, Auskunft ertheilt hat. Es ist der Oguawai, welcher 
nach dem Cap Lopez cultivirtere Negerländer durchströmt, und 
welcher für die Kauris die Aufmerksamkeit beansprucht; indem 
er ihnen den nordöstlichen Zug nach dem Niger anweist, während 
der Norden durch wilde, Menschen fressende, Horden abgesperrt 
ist. Diesen wichen sie wohl auch in nordwestlicher Richtung 
aus, indem sie am Lagos hinauf nach Dahome gelangten, woselbst 
sie auch jetzt noch Geld sind, und von da die Wanderung nach 
Norden und Westen antreten konnten. 

Ob auch die Mozambik - Kauris , nach Ritters Frage 2 ) , auf 
directem Wege nach dem Sudan gelangt seyn können, dar- 
über fehlte bis vor kurzem jeder Anhaltspunct der Beurtheilung. 
Allein jetzt erfahren wir durch Dr. Barth, dass ihm in Yola ein 
arabischer Scherif angeboten habe, ihn durch den Continent nach 
dem Nyassa-See und Mozambik zu führen; eine directe Ver- 
bindung ist dadurch bezeichnet. Hinsichtlich der Kauris aber 
besagen die neuesten Nachrichten desselben Reisenden, dass sie 
in Mittelafrika, also auf dem Ausläufer dieses Zuges nach dem 
Sudan, nicht vorkommen, und auch hier wiederum Stücke Baum- 
wollenzeug als Geld dienen. 

Wie diese Muscheln aber nach Europa kamen, und dass 
Ritters s } ausgesprochene Vermuthung, ihr Gebrauch möge früher 



1) Sketch of Gaboon, Uebersetzung der Mission, 13. Cap. 

2) 1039. 

3) Asien III. 1155, 



des Muschclgeldes. 121 

westwärts mit asiatischen Völkern sich bis nach Ungarn verbreitet 
haben, ohne Halt sey, ist nachgewiesen worden. 

Fassen wir das Ergebniss vorstehender Betrachtung zu- 
sammen. 

Das Muschelgeld ist nicht das älteste Geld, das Metallgeld 
ist älter als dasselbe; und namentlich ist diess für China nach- 
gewiesen ; indessen ist es das älteste Scheidegeld. Die hier- 
zu verwendeten Muscheln haben stets dem Geschlechte der Por- 
cellanen, oder Cypraeen angehört. 

Dieses Geld ist, wie das Metallgeld, aus dem Schmuck ent- 
standen. 

Unter den Cypraeen machten sich die Kauris, cypraea moneta, 
eben wegen ihrer besonderen Dienlichkeit zur Verzierung, wegen 
ihrer Kleinheit, wegen ihrer wenigen, aber reichlich spendenden 
Fundorte, besonders beliebt. 

Sie kamen nach China von den Liuku Inseln. 

Von den Maldiven verbreiteten sie sich über die Westküste 
von Vorderindien bis an den Indus, und von hier östlich durch 
ganz Vorderindien; nördlich nach Arabien, durch die Araber 
aber bis nach ßornu. 

Die Kauris auf der Küste von Mozambik fanden ihren Weg 
quer durch Afrika an die Küste von Congo; hier trafen sie mit 
den Kauris von Loando zusammen. Diese sliegen nordöstlich am 
Oguawai hinauf gegen den Niger, sie erreichten ihn nordwestlich, 
am Lagos hinauf, durch Dahome, und verbreiteten sich westlich 
über Oberguinea. 

Bornu bildet die Scheide der Kauriströmungen von Ost und 
West; bis hierher ist diese Muschel ostwärts nur Schmuck, west- 
wärts Geld; denn sie ist hauptsächlich Sklavengeld, und hier 
beginnt der Hauptschauplatz des Menschenhandels. Die Portugiesen 
hatten in Niederguinea den ersten Fundort der Kauris betreten, 
sie fanden hier Kauris und Sklavenhandel, sie fanden das gleiche 
Schauspiel in Mozambik, sie sahen die grossartige Ausbeutung 
dieses Geldmittels auf den Maldiven, und fanden dessen Con- 
centrirung in Bengalen, welches seit der Herrschaft der Gross- 
moguls zum Brennpuncte des indischen Handels geworden war. 
Der Sklavenhandel wurde von den Europäern begonnen, er wurde 



122 Geschichte des Muschelgeldes. 

nach Westindien gerichtet. Massen von maldivischen Kauris 
wurden erstmals von den Holländern auf die Küste von Guinea, 
und selbst nach Europa geworfen, sie wurden von den Sklaven- 
händlern aller Gegenden ergriffen, und nach allen Zugängen 
Afrikas verführt, um durch sie nach allen Richtungen nach dem 
Sudan zu strömen, und sich dort wiederum zu begegnen.